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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 11 · p. 671

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 11
Article
Jüdisches und arabisches Selbstbestimmungsrecht
Date
1920-01-01
Page
671 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU LEBEN UND BEWEGUNG POLITIK Jüdisches und arabisches Selbstbestimmungsrecht I. Unser Recht auf Palästina Hans Kohn, in seiner Polemik zur Araberfrage (Heft 8/9 dieser Zeitschrift) wie in einer früheren, im 12. Heft des vorigen Jahrgangs veröffentlichten Glosse über die gleiche Frage, versucht sie prinzipiell zu nehmen. Er wünscht also nicht die praktisch-politische Seite des Problems, sondern ihre ethische zu behandeln. Das tut er nun ganz im Sinne jener modernen doktrinären Prinzipienreiterei, die nur den Balken im eigenen Auge sieht, im Stile unseres auch innerlich korrumpierten Zeitalters, in dem der brutalen Gebärde des privaten und nationalen Egoismus die (natürlich nur theoretische) Geste verzückten Flagellantentums unserer ethisch und aktivistisch schäumenden Literaten, Philosophen und Theologen komplementär ist. Gerechtigkeit ist den einen der Gott, der mit den stärkeren Bataillonen ist, den anderen die Selbstbeschuldigung und Selbstauflösung infolge der eigenen Haltlosigkeit und Unsicherheit. So haben beide, diesem oder jenem Extrem verfallen, die wahre, die göttliche Gerechtigkeit, das liebevoll-unerbittliche, barmherzig-unbarmherzige Gericht, ins Gegenteil pervertiert. Im Grunde bedeutet alle Ethik und alles Recht den einen so wenig wie den andern. Den ersten ist sie eine eigentlich recht überflüssige Atrappe, den zweiten ein Jenseits abstrakter Spekulationen, aus dem keine Brücke zur praktischen Wirklichkeit des Diesseits führt. In diesem ist man, von Zweifeln bedrängt oder nicht, Zionist, vertritt also ein Bestreben, das ganz offenbar auf eine Majorisierung der Araber in Palästina ausgeht, und ist sich (hoffentlich!) über die „praktisch-politische" Bedeutung einer solchen Majorisierung eines bis heute noch in der Mehrheit befindlichen Volkes in jedem Falle, friedliche Verständigung hin, nationale Autonomie her, im Klaren. Theoretisch, „prinzipiell," „ethisch" (im Jenseits also) weiß und versucht man aber diese Praxis nicht einmal zu begründen oder zu rechtfertigen. Man ist „gerecht" und „ehrlich" bis zum Aeußersten, bis zur Selbstauflösung; natürlich nur im Jenseits der Theorie und ohne Konsequenz für das praktische Leben. Und sogar so paradox ist man, daß man über diese Antinomie der reinen und der praktischen Vernunft nicht einmal, eine Notbrücke durch die Erklärung eines hier vorliegenden tragischen, aber doch zu rechtfertigenden. Paradoxon zu schlagen versucht. Beide Welten fallen völlig auseinander. In der einen, der „gerechten" bekennt man: „Palästina ist heute natürlicher- und berechtigterweise arabisches Land; es ist die Tragik unserer Geschichte, aber nicht erst von heute, daß sie gegen die Logik(!) von Natur und Berechtigung geht.*' „Gegen die Behauptung, daß die Araber kein Recht auf Palästina hätten, sondern nur wir," „muß unser Rechtsgefühl protestieren." Ueber solche „Verblendung" wird ein markerschütterndes „Wehe uns!" ausgerufen. Noch erschrockener ist man über die Bemerkung des naiven J. H. Castel, daß „die imperialistische arabische Nationalbewegung bei uns ebensowenig Sympathien finden kann, wie sie das bei der Entente vermochte." „Meine Sympathien," sagt Hans Kohn, „gingen bisher mit denen der Entente-Staatsmänner diametral auseinander!" „Ein Zusammenfallen der Sympathien" würde ihn sogar „unruhig" machen. Geradezu hellste Entrüstung spricht aber aus dem Satz: „Daß Palästina, ein Land mit heute weitaus überwiegender arabischer Bevölkerung, in einen arabischen Föderativstaat vom Taurus bis zum Indischen Ozean berechtigterweise hineingezogen werden kann, sollte jemand, der auf nationalem Boden steht, nie leugnen." (Solche Sätze stehen, um Hans Kohn zu variieren, nicht in dem arabischen Hetzblatt „Karmel", sondern im „Juden".) Fassen wir also zusammen: Der Zionismus als das Streben nach dem arabischen Palästina ist unnatürlich, unberechtigt, un- 44';"

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