Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 658 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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658 S. J. Agnon: 5. /. AGNON I DER VERSTOSSENE (Aus dem Hehräisehen von J^Iax Strauß) V. Kapitel Die Heimkehr l. Denn du sehntest dich sehr nach deines Vaters Haus. Erst am Tage vor Pessach kehrte Gerschom nach Hause zurück, anders als im vorigen Jahre, wo er mit der ersten Sonne des Nissan gekommen war. Gerschom hatte sich vor dem Kummer im Hause des Vaters gefürchtet und seine Reise verschoben, solange es möglich war. Seit dem Tage, an dem das Gericht ihn getroffen hatte, standen die Wände des Vaterhauses schwarz vor ihm, und die Fenster, als ob noch eine Träne an ihnen hinge, die seine Mutter, Friede über ihr, in der Stunde der Dämmerung auf sie gedrückt hätte. Seine Schwestern werden traurig herumgehen, mit den Kleidern vom vorigen Jahr, und die Mägde werden den ganzen Tag über mit dem kleinen verwaisten Brüderchen schreien. Mit schwacher Stimme wird ihn seih Vater empfangen und mit Lärm die ganze Stadt, und wer Mitleid mit Waisen hat, wird ihn mit einem Seufzer begrüßen. Der Großvater wird hin und hergehen und seine Pfeife nicht mehr glimmen. Dieser Alte, der früher Stein an Stein geschlagen hatte, daß Funken unter seiner Hand hervorsprühten — jetzt wird ihm die Pfeife im Mundwinkel hängen, bis andere kommen und ihm Feuer schaffen. Aber dennoch hatte er siebenmal am Tage Gott gelobt, daß der Rüsttag des Pessachfestes kam. Ein wenig hatte es Gerschom nach seiner Stadt hingezogen, aber eigentlich nicht nach seiner Stadt, sondern nach seiner Braut Wecket nicht auf und machet nicht wach, sagt die Schrift, aber durch die lockenden und gefälligen Reden war mancherlei Liebe in ihm erwacht. 2. Das Herz der Väter. Auf dem Wege, der zur Stadt der Jeschiwa hinführt, gingen Gerschoms Brüder und Schwestern heraus, um ihn zu empfangen. Obwohl seine Liebe zu ihnen, seitdem er von Hause fort war, groß gewesen war und er immer wieder gesagt hatte: Wann sehe ich sie?, blieb er dennoch, als sie ihm um den Hals fielen und ihn küßten, ohne jede Bewegung stehen und war nicht fähig, zu sprechen um ihnen freundliche Worte zu sagen, und er ließ ihnen seinen Körper, damit zu machen, was sie wollten, bis sie an das Haus kamen. Als Gerschom sein Vaterhaus sah, wollte er hineinspringen; da sprach seine Schwester zu ihm: Ich bitte dich, Gerschom, bleib stehen und warte noch ein bischen, denn der Vater möchte sich stärken, bevor er dich sieht. Gerschom wartete ein bischen und trat mit schwacher Stimme ein. Und die feuchten Augen des Vaters blieben mit ihm und mit seinen Augen verschlungen, bis ihre Tränen sich einander verbanden,