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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 603

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Die Entwicklung des Genossenschaftswesens
Date
1920-01-01
Page
603 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Unischau: Volkswirtschaft in Palästina 603 da die neue Einwanderung in erster Linie die Schaffung von Wohnungen verlangt. Diese Wohnungen müssen im Interesse des sparsamen Bauens von 'großen Baugesellschaften nach einheitlichen Maßstäben für Fenster, Türen, Dachröhren usw. gebaut werden, und es ergibt sich hier die Möglichkeit, denjenigen Genossenschaften von Handwerkern und Arbeitern, welche von den Genossenschaften Bestellungen auf bestimmte Baumaterialien erhalten, Vorschüsse auf diese Bestellungen, sobald sie in Ausführung begriffen sind, zu geben. Es könnten auf diese Weise folgende Genossenschaften mit Vorschüssen unterstützt werden: Genossenschaften von Steinbrucharbeitern zur Herstellung von Bausteinen; Genossenschaften von Ziegelarbeitern zur Herstellung von Zementziegeln; Genossenschaften von Tischlern zur Herstellung von Türen, Fensterrahmen, Fensterläden; Genossenschaften von Klempnern zur Herstellung von Dachröhren; Genossenschaften von Schlossern zur Herstellung von Tür- und Fensterschlössern; Genossenschaften von Glasern zur Herstellung von Fenstern; und wahrscheinlich noch andere. In manchen Fällen wird ein Kredit an diese Genossenschaften nicht nurzuVorschüssen auf die in Ausführung befindliche Arbeit, sondern auch zum Ankauf von Maschinen oder ferner die Miete oder Errichtung von passenden Werkstätten möglich sein. Natürlich wird ein solcher Kredit nur dann gegeben, wenn die Genossenschaft durch die Tüchtigkeit ihrer Mitglieder und durch die bereits erwiesene Rentabilität der Arbeit für den Kredit genügende Sicherheit bietet. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhange ein Vorschlag des Ingenieurs Seidner aus Wien, der die Errichtung von Häusern mit elektrischer Kraft in den Städten empfiehlt, in welchen einzelne Handwerker oder Handwerkergenossenschaften Raum, und Kraft jährlich pachten können. c) RohstofTbezugsgenossenschaften. — Gewissen Handwerken, bei denen der Rohstoff im Verhältnis zum Arbeitslohn eine große Rolle spielt und bei denen die Rohstoffe nach einem gewissen einheitlichen Standard gekauft werden können, kann eine große Hilfe dadurch geleistet werden, daß. die einzelnen Handwerker nicht gezwungen sind, ihre kleinen Quantitäten Rohstoffe zu teueren Preisen vom Zwischenhändler zu kaufen, sondern sich zum gemeinsamen Bezug der Rohstoffe zu einer Genossenschaft vereinigen, in dieser Weise könnten wahrscheinlich die Schuhmacher, Tischler, Schneider sich ihre Rohstoffe sehr verbilligen. Erforderlich wäre auch hier, daß ihnen, da sie meist nicht kapitalkräftig genug sind, um die Rohstoffe an erster Stelle zu kaufen, ein Kredit zum Bezug dieser Rohstoffe eröffnet wird. Dieser Kredit kann als sicher gelten, da die Rohstoffe den einzelnen Handwerkern in kleinen Mengen nur gegen Barzahlung ausgefolgt werden. d) Landwirtschaftliche Produzentengenossenschaften. — Im allgemeinen muß man sagen, daß die Landwirtschaft in Palästina, mag sie als individueller Betrieb oder als genossenschaftlicher Betrieb geführt werden, noch keine sichere Rentabilität aufweist. Allerdings kann kein Zweifel darüber bestehen, daß in vielen Fällen der genossenschaftliche Zusammenschluß eine Verbesserung der Rentabilität bedeutet. Dieser genossenschaftliche Zusammenschluß kann entweder in der Form von Produzentengenossenschaften erfolgen, d. h. in der Form, daß Produzenten ihre landwirtschaftlichen Betriebe individuell führen, sich aber zwecks Weiterverarbeitung und Verwertung ihrer Produkte genossenschaftlich zusammentun (z. B. Genossenschaft der Weinbauern, Genossenschaft der Orangenpflanzer, Molkereigenossenschaften); oder der Zusammenschluß kann in der Form von Produktivgenossenschaften erfolgen, in welchen der ganze landwirtschaftliche Produktionsprozeß genossenschaftlich betrieben wird (z. B. die Kwuzoth der landwirtschaftlichen Arbeiter). Auch die Entwicklung dieser Genossenschaften kann in vielen Fällen durch Kredite gefördert werden, ohne daß dieser Kredit gefährdet zu sein braucht; beispielsweise könnte den Molkereigenossenschaften, wenn sie schon einige Zeit bestehen und über gesicherten Absatz verfügen, die Verbesserung und Erweiterung ihres Inventars ermöglicht werden, den Kwuzoth könnte auf diese Weise bei der .Einrichtung von solchen Wirtschaftszweigen geholfen werden, die sich als rentabel erwiesen haben, wie z. B. die Anschaffung von Bienenstöcken und die Anschaffung von Maschinen und Traktoren, wobei das Inventar bis zur Abzahlung der Darlehen zur Sicherheit verpfändet bleibt. Mit den angeführten Arten von Produktionsgenossenschaften ist der Kreis dieser Genossenschaften nicht ausgefüllt. Wir haben nur diejenigen Arten von Produktionsgenossenschaften aufgezählt, welche im gegenwärtigen Augenblicke die wichtigsten sl:.d und bei denen eine Kreditgewährung verhältnismäßig mit keinem allzugroßen Risiko verbunden ist. Arthur R u p p i n

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