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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Die Entwicklung des Genossenschaftswesens
Date
1920-01-01
Page
599 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU LEBEN UND BEWEGUNG VOLKSWIRTSCHAFT IN PALÄSTINA Die Entwicklung des Genossenschaftswesens Das vor kurzem von der palästinensischen Regierung in Kraft gesetzte Gesetz über die Genossenschaft ist berufen, eine neue Epoche in der Entwicklung des Genossenschaftswesens in Palästina einzuleiten. Es ist höchst erfreulich, daß der High Commissioner die Wichtigkeit des Genossenschaftswesens erkannt und gleich nach seiner Ankunft die Ausarbeitung eines solchen Gesetzes angeordnet hat. Aehnlich wie Lloyd George in San Remo zu Professor Weizmann gesagt hat: „you have got your start, now it is up to you make good", — so kann die palästinensische Regierung sagen, daß sie durch das neue Gesetz einer Genossenschaftsbewegung in Palästina den Boden geebnet hat und daß es an uns ist, von dieser Möglichkeit den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Palästina hatte bisher überhaupt kein Gesetz über das Genossenschaftswesen. Alle in Palästina bestehenden Genossenschaften haben deshalb keine sichere gesetzliche Basis. Sie mußten viele beschwerliche und unsichere Umwege einschlagen, um sich notdürftig das Minimum von Rechten zu verschaffen, das für ihren Bestand und ihre Tätigkeit notwendig ist. Aber an eine großzügige und umfassende Arbeit war unter diesen Umständen nicht zu denken. Man bedenke nur, daß eine Genossenschaft vor den Gerichten nicht im eigenen Namen klagen konnte, daß sie auf ihren eigenen Namen keine gültigen Wechsel ausstellen, keine Grundstücke erwerben konnte usw. In Europa sind für das Genossenschaftswesen in fast allen Ländern bereits seit einem halben Jahrhundert spezielle Gesetze erlassen worden, welche die Bildung und die Arbeit der Genossenschaften erleichtern. Diesen Gesetzen und dem Verständnis der Regierungen für die* Wichtigkeit des Genossenschaftswesens ist es zu verdanken, daß die Genossenschaften in Europa in den letzten Jahrzehnten solch großen Aufschwung genommen haben. Wir wollen hoffen, daß dasselbe auch auf Grund der neuen Gesetze in Palästina der Fall sein wird. Das neue Genossenschaftsgesetz ist nicht nur für eine bestimmte Form der Genossenschaften z. B.Konsumvereine gemacht, sondern es will jede wirtschaftliche Tätigkeit, die sich durch genossenschaftlichen Zusammenschluß tun läßt, fördern. Das Gesetz führt als Beispiele der Genossenschaften, die nach diesem Gesetze gegründet werden können, die folgenden auf: 1) Konsumvereine 2) Darlehnsgenossenschaften 3) Baugenossenschaften 4) Rohstoff-Bezugsgenossenschaften 5) Absatzgenossenschaften 6) Genossenschaften zur gemeinsamen Benutzung von Maschinen usw. Aber diese Liste ist nicht vollständig. Es ist denkbar, daß sich auf Grund des Gesetzes Genossenschaften auch noch für andere, als die angegebenen Zwecke bilden. Welchen praktischen Nutzen können wir nun aus dem neuen Gesetze ziehen? — Wir glauben, daß der Nutzen ein außerordentlich großer sein und in unserem Wirtschaftsleben die Epoche der Selbsthilfe einleiten kann, wenn der palästinische Jischub die Wichtigkeit des Genossenschaftswesens versteht. Als die wichtigsten genossenschaftlichen Aufgaben sehen wir zur Zeit folgende an: 1. Die Bildung von Konsumvereinen. Es ist zur Genüge bekannt und braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden, welche Bedeutung die Konsumvereine in allen europäischen Ländern für die Verbilligung der Lebenshaltung, besonders der niedrigen Volksklassen gewonnen haben. Die Klagen über die hohen Preise der Lebensmittel in Palästina sind allgemein. Es gibt vielleicht in der ganzen Welt zur Zeit kein Land, in dem die Preise der notwendigsten Lebensbedürfnisse eine solche Höhe erreicht haben wie in

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