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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 10 · p. 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 10
Article
Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung
Date
1920-01-01
Page
566 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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566 Erwin Kohn: Lehrlingsmaterials obliegen einer Behörde, die vorläufig „Zentralstelle für Wirtschaftserziehung" genannt werden mag und die sich vorwiegend aus den Berufsvertretungen der arbeitenden Klasse, aus Vertretern der Unterrichtsbehörde und aus Vertretern der an gemeinwirtschaftlichen Institutionen interessierten Kreise zusammensetzen würde. Diese Behörde kann staatlich, regional oder national gedacht werden, wird aber nur dann zweckmäßig funktionieren, wenn es sich um relativ geschlossene Wirtschaftsgebiete handelt. Die Verwirklichung dieser Wirtschaftserziehung fordert, selbst wenn sie im bescheidensten Umfange initiiert wird, Voraussetzungen wissenschaftlicher Art, die wir heute als nicht ohne weiteres gegeben betrachten können. Die Eigenart des jugendlichen Arbeiters und die zweckmäßigste Erlernung manueller Arbeitsprozesse sind Fragen, deren systematische Bearbeitung heute noch ausstehen. Sie müssen sowohl im pädagogischen als auch im ökonomischen Sinne gelöst werden, bevor an eine Verwirklichung wirtschaftserziehlicher Pläne gedacht werden kann. Die Art und Weise, in der dies geschehen könnte, zu untersuchen, machen sich die folgenden Ausführungen *zur Aufgabe*). Daß die Durchführung der Wirtschaftserziehung, die Verwissenschaftlichung des manuellen Arbeitsprozesses und 'seines Unterrichts, ebensolcher wissenschaftlicher Hilfsmittel und Forschungen bedarf wie der Unterricht in, den geistigen Disziplinen, wurde bereits festgestellt. Für gewisse Grenzgebiete des Manuellen und Intellektuellen, also etwa für naturwissenschaftliche Experimente, für gewerblichen und landwirtschaftlichen Unterricht, werden sich manche Angaben finden, die aber bei weitem keine allgemeinen Richtlinien für die tatsächliche Durchführung eines Massenwirtschaftsunterrichts geben können. Die Regeln vollends, nach denen in Großbetrieben und bei Handwerkern oder bei Bauern Jugendliche ausgebildet werden, stellen vielfach das Gegenteil dessen dar, was eine sinnvolle Wirtschaftserziehung bedeutet Daß trotzdem aus der Unsumme der praktischen Erfahrungen, die allerorts mit der manuellen Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen gemacht werden, viel zu lernen sein wird, wenn auch oft nur viel zu Vermeidendes, ist selbstverständlich. Vor allem wird ja nur gefordert, daß die Auffassung, jeder Besitzer, Leiter oder Angestellte irgend eines Wirtschaftsbetriebes sei der geborene Erzieher seiner Nachfolger, als. ebenso unberechtigt aus dem Bereiche der Wirtschaftserziehung verschwinde wie der Grundsatz, daß die Eltern die geborenen Erzieher ihrer Kinder seien, aus dem der allgemeinen. Hat sich der Gedanke Bahn gebrochen, daß das Amt eines Lehrers, Unterweisungsbeamten, Vorarbeiters in der Wirtschaftserziehungj oder wie immer der Titel dieser Unterweisungsorgane gewählt werden mag, ein gleich ver- *) Es wird vielleicht in einiger Zeit möglich sein, sowohl die Prinzipien als auch einzelne Probleme der Wissenschaft der Wirtschaftserziehung zusammenfassend zur öffentlichen Diskussion zu stellen.

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