Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der heutige deutsche Antisemitismus
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 565 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Erwin Kohn: Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftl. Wirtschaftserziehung 565 so gerate notwendig, wer diesem Drange entgegen sei, in die vielleicht edle aber gewiß grotesk-ohnmächtige Haltung des Manchaners, der gegen die kreisenden Flügel windmühlengroßer Tatsachen, und die noch dazu vom Föhn des Lebens bewegt werden, auf einer armen Rosinante lächerlich anreite. Der Weg des Deutschjuden sei unweigerlich vor gezeichnet; er heiße Assimilation und sonst nichts. So die Stimme des modernen Lebens. Wir werden zusehen -müssen, ihr irgendwie zu entgegnen. (Schluß des zweiten Aufsatzes folgt) ERWIN KOHN / ENTWURF EINER ARBEITS. GEMEINSCHAFT FÜR WISSENSCHAFTLICHE WIRTSCHAFTSERZIEHUNG Platzmangel gestattet nicht, dem Entwurf einer Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftserziehung alles voran zu schicken, was an prinzipiellen Erwägungen für eine Wirtschaftserziehung der jüdischen Jugend spricht und welche Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung erheischt werden. Ich beschränke mich vielmehr darauf, eine kurze Definition des Begriffes zu geben und den möglichen Umfang seiner Anwendbarkeit in wenigen Zügen abzugrenzen. Wirtschaftserziehung in dem hier angewandten Sinn des Wortes bedeutet die Ausbildung schulentlassener Jugendlicher in den wirtschaftlichen Funktionen, die sie als Erwachsene ausüben sollen, unter Berücksichtigung der spezifischen jugendlichen Eigenschaften. Diese Wirtschaftserziehung, die in vollem Gegensatze zu der heute fast ausschließlich geübten Praxis der beruflichen Anlernung, bezw. der rein theoretischen Berufsvorbereitung steht, wird gleichmäßig für alle Jugendlichen angestrebt, die sich als ausübende Kräfte der Produktion (Landwirtschaft, Industrie, Handwerk) und dem Verkehrswesen zuwenden wollen. Ihre Anwendbarkeit auf die sogenannten höheren Berufe und auf die Konsumtion bleibt vorläufig unerörtert. Die Mittel der Wirtschaftserziehung sind im wesentlichen Lehreinrichtungen in den genannten Produktionszweigen, in den neben dem Unterweisungs- und Verwaltungspersonal, das durch besondere Vorzüge für den Umgang mit Jugendlichen geeignet sein muß, ausschließlich Jugendliche, die nach bestimmten ökonomischen, psychologischen und physiologischen Gesichtspunkten für ihren Beruf ausgewählt wurden, arbeiten. Diese Lehrbetriebe unterscheiden sich von allen übrigen Betrieben außerdem nur durch die besondere Rücksichtnahme auf den Lehrzweck und durch gewisse abweichende Normen in der Verwaltung, werden aber nicht als Versuchsanstalten, sondern als produktive Betriebe geführt. Die Betriebe, ihre zentralisierte Leitung, die Ausbildung des Unterweisungspersonais, die allgemeine Fürsorge für die in ihnen untergebrachten Zöglinge, die Information über ihre Bedeutung und die Auswahl ihres