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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 534

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Die Frau in der zionistischen Bewegung
Date
1920-01-01
Page
534 (sequence 2)
Language
German
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534 Umschau: Frauenfragen in die Öffentlichkeit. Daß da, wo solche Hemmungen überwunden wurden, sich auch in Frauen starke organisatorische Kräfte zeigen, beweist das Wirken von Frauen wie etwa die Amerikanerin Miß Szold, die Österreicherin Frau Anitta Müller. Beide weisen Leistungen auf, die sich würdig denen der tüchtigsten Männer vergleichen lassen, beide sind wohl nur deshalb bisher zu leitenden Stellen in der Gesamtorganisation nicht gelangt, weil sie solche noch gar nicht erstrebten. Überhaupt: man hört öfter die Meinung ausgesprochen, es sei ein Fehler der zionistischen Organisationsleitung, daß sie noch keine Frau in das Aktionskomitee oder eine andere leitende Körperschaft berufen habe. In Wirklichkeit liegt die Sache wohl so, daß sich bisher keine einzige Frau gefunden hat, welche die Fähigkeit und den Willen besessen hätte, in eine dieser Körperschaften Neues und Bedeutendes hineinzutragen. Die zionistische Organisation hat von Anbeginn den Frauen gleiche politische Rechte eingeräumt — aber die Frauen selbst haben keinen Gebrauch von diesen Rechten gemacht. Sie haben überall mitgekämpft, aber immer nur an zweiter oder dritter Stelle, ohne eine Führerrolle auch nur zu erstreben. Woran das — trotz zweifellos vorhandener organisatorischer Fähigkeiten — liegt und ob es immer so bleiben soll und wird, davon etwas später. Ein wenig starker macht sich die Mitwirkung weiblicher Kräfte in der Jugendbewegung geltend. Kein Wunder. Einer Generation angehörend, in der sich Knaben- und Mädchenerziehung, Männer- und Frauenberufe nicht mehr streng voneinander scheiden, in der man geneigt ist, das Vorhandensein tiefgehender Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Mentalität zu bestreiten und zu verwischen, wird es den Mädchen bedeutend leichter, ihre Meinung auszusprechen, ihren Einfluß auszuüben, sich in die Öffentlichkeit eines weiteren Kreises zu begeben. Und doch bleiben auch hier die Naturen aus, die bereit sind, die Verantwortlichkeit des Führeramtes auf sich zu nehmen. Den Beweis dafür lieferten der österreichische und der deutsche Jugendtag vor zwei Jahren, an denen kaum ein einziges Mädchen sich berufen fühlte, Begrifte zu erklären, Programme vorzulegen. Mag sein, daß Frauen es einer Frau verübeln, wenn sie diese Dinge unverhohlen feststellt. Unsere Zeit ist allzusehr gewohnt, die intellektuelle und seelische Eigenart danach zu bewerten, ob sie derjenigen des Mannes entspricht. Wer aber davon überzeugt ist, daß die Eigenart des Mannes und diejenige der Frau von Grund auf verschieden sind und daß infolgedessen ihre Aufgaben innerlich und in der Form ihrer Erfüllung ganz verschieden sein müssen, der weiß, daß mit solcher Feststellung ein allgemeines Werturteil nicht gefällt ist. Für die von der männlichen gan z verschiedenartige Auswirkung weiblichen Wesens bildet vielleicht gerade unsere Bewegung ein Beispiel: dem scharfen Beobachter dürfte sich bei genauer Prüfung ein stärkeres weibliches Element in der Gesamtrichtung des zionistischen Menschen und seiner Organisation ergeben als bei irgendeiner anderen Volksgruppe zu finden ist — eine Wirkung der tief innerlichen Teilnahme an der Bewegung von Frauen, deren Einfluß direkt niemals über einen engsten Kreis hinaus getreten sein mag. Und doch, und doch macht sich bei fortschreitender Entwicklung des Zionismus der Mangel eines direkten weiblichen Einflusses auf die zionistische Arbeit geltend. Bei der Kolonisationsarbeit in Palästina stellt sich heraus, daß man dort Einrichtungen getroffen hat, die in der Theorie vollkommen durchführbar waren, die aber in der Praxis nicht stimmten, und zwar deshalb nicht stimmten, weil die Männer, die sie schufen, vergessen hatten, die Eigenart der Frau in ihre Berechnungen einzuziehen. So erwies sich bei der Einrichtung der Kolonien vieles als falsch und unausführbar, weil man übersehen hatte, die Mitarbeit der Frau bzw. ihr Versagen auf manchen Arbeitsgebieten in gebührendem Maße zu verwerten. So bleibt noch jetzt die Kraft vieler junger Mädchen und Frauen im Lande ungenützt, weil man es verabsäumt hat, sich über die Grundlagen und Grunderfordernisse der Mädchenerziehung Rechenschaft zu geben. So zeigte sich lange Zeit eine analoge Erscheinung in den Diasporaländern, weil man beim Entwerfen zionistischer Organisations- und Erziehungsprogramme unterlassen hatte, auf die Individualität von Frauen und Mädchen Rücksicht zu nehmen. In der Diaspora wird dieser Mangel allmählich ausgeglichen. Hier bilden sich selbständig kleinere und größere Kreise von Frauen, die in kongenialer Sphäre reifen und sich vertiefen wollen. Schon in einer ziemlich frühen Epoche der Bewegung haben sich hier und da besondre weibliche Gruppen gebildet, aber mehr aus technischer Notwendigkeit denn aus innerem Drange; da waren es vor allem die Turn- und Wandervereine, bei denen sich aus der verschiedenen Technik der sportlichen Leistung für die beiden Geschlechter von selbst die Trennung der beiden Gruppen ergab. Viel später erst, hauptsächlich durch den Antrieb junger, von den Ideen moderner Jugendbewegung beeinflußter Elemente, bilden sich jene verschiedenen Aufgaben sich zuwendenden

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