Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Jüdische Friedhofskunst
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 499 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3101111-3101163-3101171-3105913--4408-3106010- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Friedhofskunst 499 .Friedhofskunst gab, die — unter Berücksichtigung von Zeit, Ort, Material und Entwicklungsmöglichkeit — vom grauen Altertum bis auf die Zeit vor etwa hundert Jahren künstlerisch gut, gelegentlich sogar besser als die der Umgebung zu nennen ist. Im letzten Jahrhundert ist trotz bürgerlicher Freiheit, gesicherter Rechtslage und stets wachsendem Wc-hlstand, die eigentlich die Entfaltung einer jeden Kunst fördern, nur ein großer' Rückschritt der jüdischen Friedhofskunst festzustellen. Aus diesem Zustand ist die jüdische Gemeinschaft noch nicht herausgekommen, obgleich die Umwelt bereits vor dem Weltkriege begonnen hat, aus der Erkenntnis der Werke der Vergangenheit Neues, Eigenartiges und ästhetisch Befriedigendes zu schaffen. Der Aufschwung wurde nicht etwa durch bloße Nachahmung der wiedergefundenen Motive erreicht, sondern durch ein Eindringen in den die Formen schaffenden Geist. Den gleichen Weg müssen die einschlagen, die eine moderne, jüdisch-selbständige Friedhofskunst schaffen wollen, sich jedoch ganz besonders vor Äußerlichkeiten hüten und versuchen den Geist des Judentums zu erfassen, von dem wir uns infolge der Zeitströmung im letzten Jahrhundert so sehr entfernt haben. Ein Rezept, wie das schwierige Unternehmen anzufangen und zu einem guten Ende zu führen sei, gibt es nicht, eine geeignete Literatur wird erst nach und nach geschaffen werden können, so daß einstweilen nur durch Kurse und Wanderausstellungen von Abbildungen guter, alter und neuer Lösungen dem Übel abzuhelfen ist. Sollte die Gesamtorganisation der jüdischen Gemeinden Deutschlands zustande kommen, so müßte dort eine Stelle für Beratung in künstlerischen Fragen und auch für die sehr im argen liegende Pflege der alten jüdischen Kunstdenkmäler geschaffen werden. Wie bei der jüdischen Friedhofskunst, sieht es auch auf den anderen Gebieten des jüdischen Kunstgewerbes aus, nur sind hier einige vorzügliche Arbeiten von Prof. Frauberger-Düsseldorf*) vorhanden, die leider im Handel nicht zu haben und deshalb fast bedeutungslos sind. Wollen die Juden nicht hinter ihren Zeitgenossen zurückbleiben, so müssen sie endlich etwas zur Hebung der künstlerischen Leistungen ihrer Gemeinschaft tun! Am geeignetsten erscheinen, wie schon oben angedeutet, neben kunstgeschichtlichen Forschungen über die Schöpfungen der jüdischen Vergangenheit Kurse für jüdische Kunstgewerbler; die geringen Mittel, die dafür angewendet würden, werden sich bald bezahlt machen. *) Verstarb im Juli dieses Jahres.