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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 479

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
Date
1920-01-01
Page
479 (sequence 15)
Language
German
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Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina 479 daß ein Arzt für die physiologischen und hygienischen Fragen und ein Nationalökonom und Techniker für die Probleme der Wirtschaftserziehung nötig, Referenten für Heilpädagogik, für experimentelle Didaktik, für Pädagogiegeschichte, für Schulbau, für die einzelnen Lehrfächer und Lehrmethoden wünschenswert sein werden. Die Leitung des Ganzen wird notwendigerweise einem ausschließlich dem Institut sich widmenden Beamten übertragen sein müssen, ob dieser Vorstand nun bloß einen Assistenten mit dessen technischer Hilfskraft, oder überdies noch einen Stab von Referenten und Abteilungsleitern zur Seite haben wird. Um die Erziehung zu wissenschaftlichem Geist an der Erzieherschaft des Landes ausüben zu können, wird das Institut durch seine Beamten und Mitglieder ein System von Vorlesungen abhalten lassen und die Schüler der Lehrerseminare und die jungen eben in die Praxis getretenen Lehrer an diesen Vorlesungen teilnehmen lassen und sie unter Aufsicht des Vorstandes, des Assistenten oder der Referenten zu den wissenschaftlichen Untersuchungen des Institus heranziehen, so daß sie nach ein oder zwei Jahren zu selbständiger Forschung befähigt oder wenigstens für ihren pädagogischen Beruf tiefer gebildet sein werden, als einer, der niemals gelernt hat, die entsagungsvolle, Geist und Seele disziplierende Arbeit zu tun, die wir wissenschaftliche Methode im Denken und Beobachten nennen. Diesen Geist auch über die kurze Ausbildungszeit' hinaus lebendig zu erhalten, wird das Institut zur gegebenen Jahreszeit an Provinzorten pädagogische Filialhochschulen einrichten, an denen nicht so wie an den Tagungen des Institutes die speziellen Forschungsprobleme, sondern die allgemeinen Fragen der Pädagogik und die Resultate der Forschung nicht allein Mitgliedern des Institutes, sondern einem weiteren Kreis pädagogisch Tätiger und Interessierter vermittelt werden. So wird das Institut eine wichtige Funktion in der Lehrerausbildung erfüllen; wir haben gezeigt, daß es auch der Verwaltung wichtige Dienste abzunehmen oder zu leisten haben wird durch sein Archiv und seine gutachtlichen Untersuchungen; erwähnen wir noch, daß es aus der Diaspora aufzunehmen haben wird (Ideen, Erfahrungen, Methoden, Bücher und Menschen), daß es in sie hinaus zu wirken, absichtlich oder unabsichtlich, nicht wird vermeiden können und daß beides durch irgendwie organisierte Stellen an den Zentren der Diaspora wird geschehen müssen, so haben wir die Grenze erreicht, bis zu der ein konkreter und organisch unphantastischer, aktueller, realisierbarer Entwurf gehen darf. Denn die völlige Vereinigung von Forschung, Verwaltung und Lehrerausbildung in einer einzigen großartigen Institution, so sehr sie mir als das einzig richtige und notwendige erscheint, die innige Verknüpftheit zwischen dem Lande und denen außer seiner Grenzen, so sehr sie mir als schöne und fruchtbare Zukunft vorschwebt — es sind meine Wünsche und vielleicht vieler Tausender Anderer, aber sie sind noch nicht reale im Ansatz schon heute sichtbare Zukunft, wie dieses gewiß recht anspruchslose und beschränkte, aber ebenso gewiß fruchtbare und mögliche pädagogische Forschungsinstitut.

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