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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 352

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Ein neues Besiedlungsschema für Palästina
Date
1916-08-01
Page
352 (sequence 7)
Language
German
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352 Daten und soviel Betriebe dar, die sich auf die verschiedensten Betriebstypen mit den so mannigfaltigen, in Palästina möglichen landwirtschaftlichen Zweigen verteilen werden. Bei recht bedeutenden Abweichungen in bezug auf den Umfang der Bodennutzung durch die einzelnen Kategorien der mittleren und kleineren Besitzer könnte als Durchschnittsfläche für etwa 300 000 neuer Betriebe ein Areal von 3 —4 ha, bei Schwankungen von V2 bis 25 Hektaren, angenommen werden. Die 300000 Betriebe würden eine Gesamtfläche von 900000 bis 1200 000 ha in den Ebenen und im Gebirgslande beanspruchen. Dabei würde für die gegenwärtige arabische Bevölkerung noch vollauf Platz in Palästina übrig bleiben, und es würde gar nicht von einer zukünftigen Auswanderung derselben nach Mesopotamien, wie Ballod sich vorstellt, die Rede sein. Die Herstellung von 300000 landwirtschaftlichen Betrieben, wenn wir gänzlich von der übrigen Bevölkerung absehen, die durch die Schaffung von Kolonien und durch die infolge derselben entstandenen Existenzmöglichkeiten herangezogen sein wird, wird im Durchschnitt pro Betrieb, ohne den Boden zu rechnen, mindestens einige tausend Mark zu stehen kommen. Wenn man die sehr niedrige Durchschnittsziffer von 5000 Mark für die Errichtung von Gebäuden, Anschaffung von lebendem und totem Inventar, Ameliorations- und Pflanzungsarbeiten, Dünger und Sämereien einsetzt, so erhält man bloß für die Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Kolonisation den Betrag von 1V2 Milliarden Mark. Auf welche Weise derartige Mittel oder die von Ballod berechneten Kapitalien aufgebracht werden können, ist aus seinen Vorschlägen nicht zu ersehen. Denn der Umstand, daß ,,die Juden Osteuropas meist im Besitz von kleinen Häuschen, Läden usw. sind", könnte doch keine reale Garantie für eine Kreditbasis bilden, falls auch die ganze Judenheit der Welt sich zusammengetan hätte und Milliarden-Anleihen aufzunehmen gewillt wäre. Wenn die Zionisten auch auf eine unvergleichlich größere Beteiligung des jüdischen Volkes an der zionistischen Bewegung, als sie bisher gewesen ist, bauen, wenn sie freien Zugang zur Besiedlung Palästinas anstreben und daran auch nicht zweifeln, daß ihnen ganz andere Geldmittel zur Ausführung unserer Kolonisationsziele in Zukunft zur Verfügung stehen werden, so können sie doch Materialien nicht an Kreditoperationen, die in die Milliarden gehen, denken. Sie werden ein viel schnelleres Tempo als bisher im Gange der jüdischen Kolonisation Palästinas zu erreichen suchen, sie werden aber nicht die Augen vor den ungeheuren finanziellen, politischen und organisatorischen Schwierigkeiten, mit denen sie zu tun haben werden, schließen können. Die vielen und kolossalen Probleme der zu erlangenden Rechte, der Übersiedlung der Auswanderer, der natürlichen Auswahl der für das Landleben geeigneten Elemente, der Aufbringung der Anlage- und Betriebskapitalien, des Ausbaues der verschiedensten Wirtschaftstypen, der Organisation des Genossenschaftswesens mit allen seinen Abzweigungen auf den Gebieten der Produktion, des Verbrauchs und des Kredites usw. usw., alle diese Schwierigkeiten werden sie nicht zurückschrecken. Sie werden aber mit ihnen in viel höherem Maße zu rechnen haben, als dies abseits von der zionistischen Bewegung stehenden Männern erscheinen mag. Eines bleibt aber nach alledem, was an den Ballodschen Ausführungen auzsusetzen ist, bestehen und ist von ausschlaggebender Wichtigkeit. Unabhängig von dem einen oder anderen Besiedlungsschema, von diesem oder jenem allgemeinen Kulturplane für Palästina ist der Nachweis erbracht, daß das Land zweifellos eine Aufnahmefähigkeit für viele Millionen Menschen besitzt, die einen sehr großen Teil der ihnen erforderlichen Nahrungsmittel im Lande selbst gewinnen und den übrigen Teil in Austausch gegen andere wertvolle, speziell in Palästina zu erzielende Produkte bekommen werden. Nur wird wohl die Produktivität des Landes durch die Ansässigmachung des Kleinbetriebes erst recht zunehmen, wenn für die fruchtbarsten Teile Palästinas der Großbetrieb nicht bevorzugt und wenn die gesamte neue Bevölkerung nicht im Gebirgslande angesiedelt sein wird. Ballod gibt nicht die einzigmögliche Lösung des palästinensischen Bevölkerungsproblems. Aber sein hohes Verdienst in bezug auf Palästina liegt, abgesehen von den Anregungen, zu denen er Veranlassung bietet, bereits jetzt darin, daß er den so sehr ins Allgemeine und Ungenaue gehenden Ausführungen Philippsons detaillierte Bewertungen der einzelnen Produktionsgebiete des Landes gegenübergestellt hat. Durch die Anwendung dieser Methode hat Ballod die Frage einer möglichen dichten Bevölkerung Palästinas jedem Zweifel entrückt. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstraße iio/ur. — Für Österreich-Ungarn. Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig-

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