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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 301

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina
Date
1916-08-01
Page
301 (sequence 1)
Language
German
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Davis Trietsch: Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina 301 EIN MAXIMALPROGRAMM DER JÜDISCHEN KOLONISATION IN PALÄSTINA « Uber die Lösung des Ostjudenproblems ist — meiner Kenntnis nach — niemals etwas ähnlich Großzügiges und dabei Reales geschrieben worden 'wie die Arbeit von Professor Carl Ballod in der „Europäischen Staats- und Wirtschaftszeitung"*) über „Das Ostjuden-Problem und die Frage seiner Lösung durch den Zionismus". Der beste deutsche Kenner internationaler Statistik packt hier das Thema in seinem größten Umfang an, sucht sich die größte Schwierigkeit aus und zeigt die Möglichkeit ihrer Lösung mit einer so vielfachen Sicherheit, daß auch die größten Störungen und Mißgeschicke seine Resultate nicht ernstlich in Frage stellen können, wenn nur die ersten Voraussetzungen halbwegs Stich halten. Prof. Ballod nimmt die Frage zum Gegenstand seiner Untersuchung, ob Palästina imstande wäre, eine Einwanderung von sechs Millionen Ostjuden — ohne Hinzunahme anderer Produktionsgebiete und auch ohne andere Arbeitsleistungen als die der Einwanderer selbst — mit den erforderlichen Nahrungsmitteln pflanzlicher und tierischer Art zu versehen. Hierbei kommt er zu dem Schluß, daß Palästina an bewässerbaren Ebenen und Talflächen etwa 830 000 Hektar — ein schwaches Viertel des Gesamtgebietes — aufzuweisen habe, und daß vom hügeligen und gebirgigen Rest des Landes höchstens die Hälfte für jede Art von landwirtschaftlicher Nutzung unbrauchbar sein könne. Die bewässerbaren Flächen würden nun nach Ballod bei moderner Großkultur und unter Zuhilfenahme von elektrischer Kraft, Motorpflügen und anderen landwirtschaftlichen Maschinen im weitesten Ausmaße, Bewässerung, Düngung, Saatgutauswahl usw. vollkommen ausreichen, um den Nahrungsmittelbedarf einer Sechsmillionen-Bevölkerung sicherzustellen, wobei an erforderlicher menschlicher Arbeitsleistung nach den Erfahrungen der Großkultur in anderen Ländern nicht mehr nötig sei, als ein landwirtschaftliches ,,Dienstjahr", und wobei er die letzten deutschen Durchschnitte als Mittelmaß der Verpflegungserfordernisse in Rechnung zieht (was übrigens für eine zunächst viel ärmere Bevölkerung und für orientalische Ernährungsverhältnisse eine viel zu hohe Annahme darstellt). Die Nutzung der hügeligen und bergigen Landesteile stellt sich Ballod so vor, daß die sechs Millionen Einwanderer, die er etwa 1,2 Millionen Familien gleichsetzt, hier Gartenkultur, Baumzucht, Gemüsebau, Kleintierzucht usw. treiben können, wovon sie nicht nur eine Ergänzung ihrer Nahrung, sondern auch eine beträchtliche Oberschußproduktion erzielen könnten, ohne daß bei dieser Art von Wirtschaft im allgemeinen mehr als eine Nebenbeschäftigung in Frage käme. Baumzucht erfordert ja in der Tat ganz geringe Arbeitsleistungen, und Gemüsebau, Geflügelzucht und dergleichen wird überall in der Welt der Hauptsache nach mit der Arbeit von Frauen und Kindern der landwirtschaftlichen Bevölkerung geleistet* Auf diese Weise wäre die Nahrungsmittelversorgung einer Einwanderung von sechs Millionen Ostjuden einschließlich eines Verkaufsüberschusses (bei dem in der Hauptsache an Export von Früchten gedacht ist) mit einer Arbeitsleistung garan- *) Verlag der „Neuen Deutschen Bücherei" München, Heft 16.

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