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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Eine Sabbatfeier des Baalschem
Date
1920-01-01
Page
343 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Josef Popper-Lynkeus: Eine Sabbatfeier des Baalschem 343 JOSEF POPPER-LYNKEUS / EINE SABBAT¬ FEIER DES BAALSCHEM Wie bekannt, hatte der Baalschem stets eine große Sehnsucht nach Erez Israel, dem gelobten Lande seiner Väter; nach langem Zögern entschloß er sich endlich, dahin zu wallfahrten und trat die Reise an. Er machte sich also, es war an einem Freitag frühmorgens, auf den Weg und hoffte, noch lange vor Anbruch des Sabbats in der nahen, großen Gemeinde anzukommen, wo er Samstag vormittags über Erez Israel predigen wollte. Der Baalschem saß im Wagen und sprach sein Morgengebet, während das kleine Pferd den leichten Wagen munter fortführte und der Kutscher die Peitsche lustig knallen ließ. Solange das Morgengebet währte, war das Wetter klar und freundlich. Kaum war es aber zu Ende, da trübte sich der Himmel, finstere Wolken zogen herauf, es begann zu blitzen und zu donnern, und ein wolkenbruchartiger Regen ging hernieder und erschwerte die Weiterfahrt. Der Baalschem hielt das für ein Zeichen des Himmels, er solle seine Reise aufgeben. „Warum sollte aber der Ewige eine Wallfahrt nach dem gelobten Lande nicht gutheißen?" dachte er, und in seinem Zweifel bat er, der Herr möge zu ihm ganz deutlich sprechen. Gleich darauf, es war um die zehnte Stunde, erscholl von oben eine Stimme, die verkündete: „Wenn der Baalschem nach Palästina kommt, müßte auch der Messias kommen, für dessen Ankunft ist aber die Zeit noch nicht reif." Infolge dieser göttlichen Stimme gab er die Weiterreise auf. Da es ihn aber sehr schmerzte, Erez Israel nicht sehen zu können, so bat er den Himmel, er möge ihn zum Tröste bald etwas sehr Merkwürdiges und sehr Schönes erleben lassen, etwas, was sein Herz hinaufziehe; der Ewige wisse ja, daß der Baalschem nicht gerne lange trauere und Gott für jede Freude danke, jede Freude komme ja vom Herrn, gesegnet sei sein Name! Er hieß hierauf den Kutscher umkehren und nach Hause fahren. An diesem Tage war der Baalschem zwar schon sechzig Jahre alt, aber seine Natur war noch immer so frohgemut wie bei einem Zwanzigjährigen, und so erwartete er mit Sicherheit und in heiterster Stimmung, daß sein Gebet erhört würde. Während der ganzen Rückfahrt dachte er nun an das Besondere und sehr Schöne, das ihm der Himmel zukommen lassen werde: »»Wahrscheinlich", dachte er, „wird irgendein mächtiger Fürst mir entgegenkommen und mich vor allem Volk begrüßen, zur Belohnung für meinen Gehorsam gegen die Stimme Gottes. Wer weiß? Oder vielleicht wird mir eine außerordentlich schöne Frau begegnen, die mich eigens aufsucht, um mich zu beglückwünschen und zu sich einzuladen. Man kann nicht bissen!"

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