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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 341

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Wolffsohn-Anekdoten, ihm nacherzählt
Date
1920-01-01
Page
341 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Wol ff sohn-Anekdoten 341 komme, um meinen großen Kollegen zu begrüßen und fand keinen schöneren Gruß als Psalm verse. Verzeihen Sie gütigst, Meister! Israels, sichtbar erfreut, erwiderte: — Ihre Begrüßung zur ersten Bekanntschaft ist sehr gut gewählt. Nehmen Sie bitte Platz, ich möchte Ihnen zu Ehren den zweiten Psalm hersagen: Lomo rogschu gojim („Warum toben die Völker .. .") Sonnenthal unterbrach ihn: — Entschuldigen Sie* .. Das Vortragen ist mein Beruf, das müssen Sie mir überlassen. Ich will gleich auch den zweiten Psalm rezitieren und Sie, Meister, wollen sich hinsetzen und ihn vielleicht malen ... Sonnenthal begann mit seiner kräftigen, wohlklingenden Stimme den Psalm herzusagen, indes Israels schweigend dasaß und ein neues Gemälde entwarf, ganz im Banne des Gesanges. In diesem Gemälde („Warum toben die Völker") soll der Künstler auf seine alten Tage seine jüdische Seele wiedergefunden haben. Das Gemälde ist aber unvollendet geblieben. III. Zwischen zwei Ruinen Auf dem Wege nach Palästina brachten Herzl und Wolffsohn einige Tage in Griechenland zu und besichtigten einige hellenische Altertümer. Als sie an eine Ruine kamen, begann Herzl bewegt homerische Verse griechisch zu zitieren. David Wolffsohn stand verlegen da, wartete ungeduldig ab, bis die ihm unverständliche Poesie zu Ende käme, konnte sich aber nicht beherrschen und unterbrach Herzl nach einer Weile: — Diese Ruinen sind nicht die unsern. Und was gehen uns griechische Dichtungen an? Herzl fühlte sich verletzt und erwiderte nichts, strafte aber Wolffsohn mit einem wegwerfenden Blick, als sagte er: Was gehen dich in der Tat, Kaufmann aus Köln, Homers Gedichte an? In Palästina werde ich meine Beschämung rächen — beschloß Wolffsohn und beruhigte sich. Als sie nach Jerusalem kamen und an die Klagemauer gelangten, begann Wolffsohn: B'schuw adonaj et schibat Zion . . . („Wenn Gott die Heimkehrenden nach Zion zurückführt ...") Herzl schwieg verlegen. Nach einer Weile ging er auf Wolffsohn zu und sagte mit einem leisen Seufzer: — Ich gebe mich besiegt. IV. Ein Disput Hermann Cohen und David Wolffsohn trafen in einem Hotel in Montreux zusammen. Der Philosoph saß in einem Winkel, abseits vom Publikum, als wäre *r mit den übrigen jüdischen Gästen verfeindet.

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