Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Wolffsohn-Anekdoten, ihm nacherzählt
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 340 (sequence 1)
- Language
- German
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340 Jakob Kiatzkin: JAKOB KLÄTZKIN I WOLFFSOHN-AKEK- DOTEN, IHM NACHERZÄHLT X schild für die Unterstützung der zionistischen Bewegung zu gewinnen. Wolffsohn bemühte sich dem Baron zu beweisen, daß die Assimilation auch im Osten um sich greife. — ... Glauben Sie, Herr Baron, daß die Juden im Osten noch ganz oder überwiegend thoratreu sind? Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß die Zahl der Assimilanten auch dort im Zunehmen begriffen ist und daß unserm Volke in Galuth der Untergang droht... Der Baron zog aus der Rocktasche ein kleines Käppchen, setzte es behutsam auf und sagte andachtsvoll: — Chass w'scholaum! (Gott bewahre!) und legte das Käppchen zurück in die Tasche. Wolffsohn fuhr fort: — Das jüdische Elend ist furchtbar, es gibt kein Mittel als ... Wiederum zog der Baron das Käppchen aus der Tasche, bedeckte sein Haupt und sagte fromm: — In der Thora heißt es ja: Lau jechdal ewjaun mi... mi... („Es werden allzeit Arme sein im .. . im . . .") — mikerew hoorez („im Lande"), Herr Baron — half ihm Wolffsohn lächelnd nach. — Stimmt... mikerew hoorez ... Danke. Der Baron hat das Käppchen nicht mehr in die Tasche zurückgelegt. Wolffsohn verstand den Wink und verabschiedete sich. So hat nun das ehrwürdige käppchen über den jungen Zionismus gesiegt. Der Maler Israels erzählte es Wolffsohn: Einmal während seiner Arbeit öffnet sich plötzlich die Tür seines Ateliers und ein hochgewachsener Mann tritt ein, grüßt kaum, macht einige Schritte, richtet seinen Blick auf das Gemälde: „Alter Jude" und beginnt pathetisch zu deklamieren: — Aschrej jauschwei . . . (Wohl dem, der nicht wandelt ...) Erstaunt hörte der Maler zu und wagte nicht zu unterbrechen. Als der Fremde mit dem ersten Psalm fertig war, ging er auf den Maler zu, reichte ihm die Hand und sagte: — Ich bin Sonnenthal aus Wien. Wir sind zwei jüdische Künstler. Ich II. Das Psalmgemälde