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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Briefe zur Vorgeschichte der "Chibath-Zion"
Date
1920-01-01
Page
328 (sequence 2)
Language
German
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328 Theodor Zlocisti: die Eigenwilligkeit ihres Gründers. Wie Elijahu Gutmacher so hatte auch Lorje Heß' „Rom und Jerusalem*4 als ein erlösendes Wort begrüßt. Hier sprach einer, dessen revolutionärer Geist durch die Fährnisse der modernen Kultur zu seinem Volke heimgefunden und der das alte nationale Vaterland in der straffen Folge seiner Weltanschauung forderte. Von Kalischers Drischath Zion hatte Heß die Freudigkeit des Anfangs empfangen. Von Lorje aber hatte er geschwiegen. Der „Generaldirektor des Kolonisationsvereins für Palästina" hob warnend den Finger. Heß* Antwortbrief liegt nicht vor. Einmal wird wohl die Gemeinde Frankfurt a. 0. das scheu zurückgehaltene Archiv dieses ersten Kolonisationsvereines herausgeben. — Die „großen" Mittel standen gewiß nicht zur Verfügung. Samson Rafael Hirsch stand abseits oder doch in abwartender Haltung; und der „Israelit", in dem Lehmann den Hegelianismus seines "Meisters für die west- und süddeutsche jüdische Landbevölkerung herrichtete, gab die Reserve erst auf, als die beiden Forderungen auf dem geduldigen Papier bewilligt waren, daß nur gottesfürchtige Menschen angesiedelt werden dürften, die die „vom Lande abhängigen Gebote" erfüllen würden und daß jegliche Politik ausgeschlossen werden müßte. Zu einem begeisterten Entschluß brachte es die Neuorthodoxie nicht. Heß hatte sie heftig angefahren: als rechter Junghegelianer, der durch die Feuerbachsche „Anthropologie"' gegangen, konnte er schnell erkennen, aus welchen festgefaßten Quellen der spekulativen Philosophie die politikfeindliche, antiradikale Frankfurter.Orthodoxie — Hengstenberg, Leo und Haller ins Jüdische übertragen — sich vollsog. Zudem: der Kurs (und die Kurse!) gingen nach Amsterdam. Dort saßen der Chalukkah reiche Amarkalim und Pekidim. Lorje war seiner Aufgabe nicht gewachsen. Seine psychopathische Veranlagung — überraschende Strömungen reißen zunächst immer derlei Typen an und mit sich fort — zerstörte schnell, was er begonnen. Berlin nahm ihm die Führung aus der Hand und beruhigte sich dann in dieser Leistung. Heß ging gelassen weiter. Er wußte, daß das Werk nur schrittweise vorankommen konnte. Zu tief verwurzelt in Marxens ökonomischer Geschichtsauffassung blieb er vor Enttäuschung bewahrt: nicht eher würde Palästina das Heim des jüdischen Volkes werden, das geistige Zentrum, als bis die Interessen und Bedürfnisse der Nation der idealen Forderung Wucht und Wirklichkeit gaben. Wer der „einflußreiche Freund" gewesen, den Heß für seine Pläne gewann, ist nicht klar zu erkennen. Dezember 1863 hatte Heß plötzlich seine Arbeit für den Lassalleschen Verein unterbrochen: er war von Cöln wieder nach Paris zurückgekehrt, ungewandelt in seinem Vertrauen zur Politik und Tatkraft des Mannes „mit dem jüdischen Goethekopf". Lockten ihn ihn nur häusliche Sorgen oder war er, verzweifelnd an der revolutionären Energie des. deutschen Proletariates, einem heimlichen Rufe gefolgt, die Alliance israelite universelle", die jüngst erst gegründet war, stark zu machen in ihrem national-kulturellen Werk, in ihrer national-politischen Zielstrebig-

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