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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Die jüdische Frau in Palästina
Date
1920-01-01
Page
318 (sequence 2)
Language
German
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3i8 Helene Hanna Cohn: die natürlichen Unterschiede männlicher und weiblicher Leistungsfähigkeit * am deutlichsten zutage. Diese Erkenntnis von der Verschiedenheit der den Geschlechtern zufallenden Aufgaben setzt sich aber bis hinein in die geistigsten Kreise aller Kulturvölker fort. Noch dort, wo Frauen durch äußeren oder inneren Zwang mit dem Manne an Leistung und Erwerb durch die Leistung wetteifern, herrscht die Überzeugung, daß.die Quellen männlicher und weiblicher Arbeitsenergie sich voneinander unterscheiden und der Sinn ihres Wirkens nicht der gleiche ist. Jahrhunderte, Jahrtausende lang hat sich die Verschiedenheit des Wirkens der Geschlechter auf diese Überzeugung gestützt: des Mannes Wirken gehört dem Staate, das der Frau einzelnen Wesen. Des Mannes Wirken entspringt *' vorwiegend dem Verstände, dem abstrakten Denkvermögen, und dadurch ist er befähigt und verpflichtet, sein Wirken — sei es seinen Beruf, sei es die Gründung und Erhaltung seiner Familie — als eine Funktion im Interesse der Gemeinschaft, der er sich verbunden fühlt, aufzufassen und bewußt von Gesetzen der Gemeinschaft beherrschen zu lassen. Bei der Frau entspringt der Trieb zur Tätigkeit weniger der Überlegung als dem Gefühl, dem instinktiven Verständnis für die Bedürfnisse der Wesen, mit denen sie lebt. Das macht, daß ihr Wirken weniger unter Gesetzen der Logik als unter solchen des Instinktes steht. Beiden — dem Manne und dem Weibe — gemeinsam ist das Gebot der Pflicht zur Erfüllung des als Aufgabe Erkannten — nur daß des Mannes Pflichtbewußtsein mehr einer Idee, einem Begriff, das des Weibes einem Instinkt entspringt, jener instinktiven, hellseherischen Klarheit, die der Mann als das Göttliche in der Frau empfindet, dessen er zu seiner Erlösung, seiner Befreiung aus der Unzulänglichkeit seiner gedachten Welt bedarf. Selbstverständlich sind diese Unterschiede männlicher und weiblicher Art nicht immer schroff ausgeprägt: in des Mannes Gedankenwelt mischen sich unbewußte Gefühlsregungen; des Weibes Gefühl wird reguliert durch Verstandesmomente. Aber im Tiefsten der menschlichen Seele lebt das Bewußtsein dieser Verschiedenheit. Daraus ergibt sich die natürliche Trennung der Arbeitsgebiete: der Mann richtet seine Arbeit auf einen ihm persönlich unbekannten Menschenkreis: das Produkt seiner Arbeit gehört der Gemeinde, dem Volke, der Menschheit; seine Arbeit führt ihn fort aus dem Kreise des Hauses, der Familie. Die Frau, die für das Wohlergehen der ihr zugehörigen Wesen sorgt, erstreckt ihre Arbeit auf die allernächste Umgebung dieser Wesen und wirkt erst durch diese hindurch auf die breitere Gemeinschaft. €> Das war — abgesehen von gewissen Ausnahmen, die immer Ausnahmen blieben — die Anschauung vieler Jahrhunderte. Dann kam die Zeit der Lehre von der Gleichberechtigung aller Menschen. Da diese Lehre in eine Zeit fiel, die in der Gewährung gleicher Chancen für alle Menschen bei der Teilnahme am Wirtschaftskampfe ihr Ideal sah, wurde sie vielfach ganz

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