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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Eine Vorrede
Date
1920-01-01
Page
264 (sequence 8)
Language
German
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264 Arnold Zweig: unsere Gefühle noch aufgespart und noch ein wenig gewartet, bis wir gesehen hätten, welche Deutung das Papier durch die Tat erfährt... Ich habe vielleicht allzulange bei diesem Gegenstand verweilt, weil er das Fundament für alles übrige ist. Aber in Wahrheit stehen jetzt noch schwere innere Fragen vor uns, die unverzügliche Lösungen fordern, und die Lösungen, die wir von Zeit zu Zeit hören, sind von der Wirklichkeit so entfernt wie der Himmel von der Erde. Und es wird doch nicht lange mehr dauern, bis die so schönen Phantasieprojekte den Platz räumen müssen vor der Arbeit selbst und wir durch die Tat zu beweisen haben, wie weit unsere materielle und moralische Kraft dazu reicht, die nationale Heimstätte zu errichten, deren Errichtung in Palästina uns freigestellt wurde... In einer solchen großen und schweren Stunde stehe ich vor den Lesern — vielleicht zum letztenmal — an der Schwelle dieser Sammlung und wiederhole nochmals meine alte Warnung, zu der die meisten Aufsätze der Sammlung nichts als eine Erläuterung darstellen: „Dränget nicht das Ende", solänge nicht die tatsächlichen Bedingungen geschaffen sind, ohne die es unmöglich kommen kann, und schätzt nicht die Arbeit gering, die in jedem einzelnen Augenblick auf Grund der tatsächlichen Bedingungen möglich ist, auch wenn sie nicht heute oder morgen den Messias bringt. . . (Aus dem hebräischen Manuskript) ARNOLD ZWEIG / DER HEUTIGE DEUTSCHE ANTISEMITISMUS Vier Aufsätze IL Antisemitismus als jüdische Angelegenheit A. Antisemitismus als Phänomen (Schluß) 9- Mit dem Augenblick, wo die Frage nach der Bewußtseinsform des Antisemitismus gestellt wird, treten wir in den letzten Kreis der Nachbarschaft mit unserem Thema. Seit historischer Zeit hat der Mensch seine Affekte mit rationalen Gründen überbaut; er, voll Scham über alles, was wild und dunkel aus seiner Tierheit quillt, hat zuwege gebracht, daß sie ihm nur noch in Masken aus der Sphäre des Urteilens, der Gründe und Ursachen rationaler Art, bewußt werden, weil noch in solcher Verzerrung der Mensch vor der Majestät der Vernunft seine Verbeugung machen muß, will er sich selbst als Mensch erkennen. Freilich spürt der Unbefangene den Maskencharakter dieser „Gründe" auf, sobald er sie mit den Gegenständen und Sachverhalten vergleicht, die ihnen zugrunde liegen sollen. In Zeiten endemischer Leidenschaften besonders stehn von Gruppe zu Gruppe (Religion zu Religion,

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