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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 257

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Eine Vorrede
Date
1920-01-01
Page
257 (sequence 1)
Language
German
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ACH AD-HAAM / EINE VORREDE*) Diese Sammlung in allen ihren vier Teilen erscheint jetzt in einer neuen Ausgabe, ein Zeichen dafür, daß auch jetzt noch ein Bedürfnis nach ihr besteht, obwohl sich die Bedingungen und Bedürfnisse des Lebens seit der Zeit, in der die hierin enthaltenen Aufsätze geschrieben wurden, nach vielen Richtungen hin geändert haben und viele der Fragen, die mich und meine Generation einst beschäftigten, bereits vergangen und gegenstandslos geworden sind. Ich hätte nicht gedacht, daß ich in meinem Alter noch dieses Glück haben würde, und besonders in einer Zeit, in der unsere nationale Frage im allgemeinen und die der Renaissance in Palästina im besonderen — die Fragen, denen diese Sammlung in allen ihren Zusammenhängen gewidmet ist — infolge des Krieges und seiner Ergebnisse eine ganz andere Gestalt erhalten haben, eine Gestalt, die niemand von uns voraussah, von der niemand voraussehen konnte, daß ihre Zeit so nahe war. Jetzt freilich hören wir häufig Siegeslärm und Triumphrufe: „Nun müssen alle zugeben, daß Propheten in unserer Mitte waren, die das Kommende voraussahen und wußten, wie nahe es war, und deren Voraussicht sie veranlaßte, ihre Handlungen auf diesen großen Tag hin einzurichten, der in Bälde eintreten würde." Aber ich glaube nicht, daß solche Aufrufe Eindruck machen können. Wir sind alle Zeugen, wie ganz plötzlich die Weltkatastrophe eintrat, ohne daß ein Prophet aufgestanden wäre, weder in Israel noch unter den Völkern, der tatsächlich das Unheil vorausgesehen hätte, das vor der Tür stand, und sich vorbereitet hätte, es bei seinem Eintritt zu empfangen, indem er seine Handlungen im voraus auf die neue Situation hin einrichtete. Wie dem auch sei, ich bin von dem Gefühl durchdrungen, daß ich bei dem Erscheinen der Sammlung in einer solchen Stunde hier einige Worte vorausschicken müßte, die wenigstens im allgemeinen andeuten könnten, worin meine Anschauungen über die Fragen, mit denen ich mich mein ganzes Leben hindurch beschäftigt habe, sich geändert haben und worin nicht — nachdem der furchtbare Sturm viele alte Wahrheiten entwurzelt und jeden Denkenden gezwungen hat, nochmals den Inhalt seiner inneren Welt nachzuprüfen, seine Beziehungen zu sich selbst, zu seinem Volke und zum Leben des Menschen und der Gesellschaft überhaupt. Aber mein Schicksal hat es *) Zu der neuen Ausgabe von AI Paraschath Derachim, die vom Jüdischen Verlag vorbereitet wird. Heft 5/6. l7

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