Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Palästina und der Chassidismus
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 220 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Felix Feltsch: der viele Gegner hatte, sowohl innerhalb als außerhalb der chassidischen Gemeinschaft Inzwischen wuchs die chassidische Gemeinde in Palästina. Es kamen noch Zaddikim mit ihrem Anhang hinzu. Die Chaluka entfaltete sich immer mehr. Im Jahre 1799 kam R. Nachman von Brazlaw nach Palästina, kehrte aber nach einem halben Jahr zu seinen Chassidim in der Diaspora zurück, die, von den anderen Chassidim isoliert, ihren Rebben schmerzlich vermißt hatten. Der Eindruck, den Erez Israel auf ihn machte, wirkte in ihm sein ganzes Leben lang nach. Seine ganze Lebenskraft, sagte er, sei nur auf seinen kurzen Aufenthalt in Erez Israel zurückzuführen. Sein Leben vor seiner Palästinareise betrachtete er als minderwertig und bat, seine vor dieser Reise geäußerten Lehren nicht aufzuschreiben, da sie unreif seien. Der Drang der Chassidim nach Palästina übertrifft denjenigen der anderen Juden. Unter den im letzten Jahrhundert Eingewanderten bilden die Chassidim die Mehrheit. Die Anhänger des Baalschem legten den Grundstein des Jischuw. FELIX WELTSCH / DIE JÜDISCHE RENAISSANCE UND DIE ETHIK DES REINEN WILLENS Ein beinahe pikanter innerer Gegensatz gibt dem Buche Jakob Klatzkins*) über seinen Lehrer Hermann Cohen ein eigenartiges aufreizendes Leben. Klatzkin verehrt Cohen als den großen Philosophen des Judentums und muß ihn doch in der Grund- und Lebensfrage des Judentums durchaus verurteilen. Denn Cohen, der Lehrer des radikalen jüdischen Nationalisten Klatzkin, ist deutschliberaler Jude durch und durch und seine politische Lehre vom Judentum ist trotz aller philosophischen Fundierung nichts anderes wie die alte liberale Missionstheorie. Äußerlich betrachtet, zerfällt das Buch in vier Teile: die Einleitung bildet eine fesselnde Darstellung der Persönlichkeit Cohens, den Schluß eine Cohenbibliographie. Dazwischen sind zwei Abhandlungen: „Philosophie des Judentums" und „Deutschtum und Judentum". Der letztgenannte Abschnitt fügt sich freilich nicht sehr organisch in das Buch ein. Es ist eine interessante Streitschrift gegen Cohen, in Ton und Inhalt verschieden von den übrigen Teilen; sie trägt auch mehr den Charakter einer Gelegenheitspublikation und polemisiert gegen eine Gelegenheitstheorie Cohens von der Verwandtschaft zwischen Deutschtum und Judentum, die ebenso aus dem Rahmen der Geistesarbeit Cohens herausfällt, wie diese Abhandlung aus dem Rahmen des Buches. *) Hermann Cohen von Jakob Klatzkin. Berlin, Jüdischer Verlag.