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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 3 · p. 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 3
Article
Arthur Ruppin
Date
1920-01-01
Page
168 (sequence 3)
Language
German
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168 Bemerkungen: Arthur Ruppin ganisator erst zu entwickeln hatte. Man fand schließlich den Mann, dessen Eigenschaften auf organisatorische Gabe hindeuteten, in Arthur Ruppin. Der an Ruppin ergehende Auftrag, das Palästina-Amt in Jaffa einzurichten und von ihm aus das Kolonisationswerk zu regeln, bezeichnet den Eintritt der zionistischen Organisation in eine zweite Phase ihres Wirkens: vom Traum zur Wirklichkeit, vom Wort zur Tat. Es ist bezeichnend, daß an der Schwelle dieser Entwicklung ein deutscher Jude steht. Mit Ausnahme von Theodor Herzl sind die hervorragenden Persönlichkeiten der ersten Phase des Zionismus. Ostjuden gewesen: Revolutionäre, Verkünder der sittlichen Forderung, Seher, die mit der Gabe des prophetischen Wortes ihre Vision künstlerisch gestalteten. Nun tritt zum ersten Male einer auf, dessen Kraft nicht im Schauen und Verkünden des letzten Zieles dahinströmt, der vielmehr bereit ist, den Kampf mit den Erscheinungen der Wirklichkeit aufzunehmen und aus den Realitäten das Ideal zu gestalten. Einer, der nicht schauen will, sondern sich umsehen, nicht durch die Rede handeln, sondern durch Handlungen reden. Als Ruppin die Leitung des Palästina- Amtes übernahm, war er im Zionismus noch ein homo novus. Er hatte niemals an der Propaganda für den zionistischen Gedanken direkt teilgenommen, sich niemals um die Bestimmung und Vertiefung des zionistischen Empfindens gemüht. Wohl hatte er seinem Aufsehen erregenden Buche „Die Juden der Gegenwart" ein Kapitel angefügt, in dem die zionistische Forderung erhoben wird, als einziges Mittel, den Untergang des Judentums aufzuhalten. Wohl hatte er in der von ihm geleiteten „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" manchen für die wissenschaftliche Begründung des Zionismus wertvollen Beitrag erscheinen lassen. Aber niemals hatte er versucht, diesem Zionismus sein eignes geistiges Gepräge zu geben. Man kannte ihn nicht als einen Schöpfer neuer Ideen, sondern vorerst nur als einen Wissenschaftler von analytischer Begabung. Auf diese Veranlagung wies auch der Stil seines Buches bin, der klar, fast ein wenig nüchtern, aber in seiner Sachlichkeit überzeugend ist. Das war alles, was die jüdische Öffentlichkeit von ihm wußte. Die ihn näher kannten, wußten, daß hierzu eine große kaufmännische Begabung kommt, die ihn schon in jungen Jahren auf einen leitenden Posten in einem größeren Betriebe erhob. Also ein kluger, tüchtiger Mann mit regem Wirklichkeitssinn. Seine Charakter-und Gemütsgaben hatten sich einem weiteren Kreis der Umwelt gegenüber noch nicht erproben können. Nur die Freunde wußten, daß er sich aus engsten wirtschaftlichen Verhältnissen durch eigne Kraft zu einer gehobenen sozialen Stellung und zu wissenschaftlicher Bildung emporgeschwungen und mit dem eignen Aufschwung das Schicksal seiner Angehörigen in die Höhe geführt hatte. Andre Eigenschaften traten — dank einer Schlichtheit des Wesens, die manchmal fast naiv anmutet — im persönlichen Verkehr schnell hervor: eine Bescheidenheit, die ihn das Verdienst andrer gern anerkennen läßt, ein absoluter Mangel an Eitelkeit und eine sympathisch berührende Bonhommie, von der nicht sofort ersichtlich ist, ob sie auf bloßer Gutmütigkeit oder auf wahrer Menschenliebe beruht. Dazu eine ungewöhnliche Sachlichkeit, die ihn bereit macht, einen überwundenen Standpunkt sofort aufzugeben und sich fremder Einsicht zu beugen. Typische jüdische Rassenmerkmale liegen nicht zutage, ja, das Fehlen starker Temperamentsäußerungen läßt seine westeuropäische Seite viel stärker hervortreten als die jüdische. Alles in allem ein offenbar zum Verwalten eines großen und vielgestaltigen Werkes besonders geeigneter Mann. Und in diesem Augenblick der zionistischen Entwicklungsgeschichte war das Verwalten des zionistischen Gutes dasjenige, was seinen Auftraggebern als hauptsächlichste Funktion des Palästina-Amt-Leiters vorschwebte. So ging Ruppin hinaus in das Unerprobte — als Träger des Judentums sowohl wie als Führer einer Masse ein noch unbeschriebenes Blatt. Er ging wohl nicht in der Überzeugung, daß seines Lebens Erfüllung einzig in der Errichtung der neuen jüdischen Gemeinschaft liege, nicht, weil ihn die

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