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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 93

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Probleme der Kunsterziehung in Palästina
Date
1920-01-01
Page
93 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Paul Zucker: Probleme der Kunsterziehung in Palästina 93 PAUL ZUCKER I PROBLEME DER KUNST¬ ERZIEHUNG IN PALÄSTINA psychologische Kennzeichnungen allgemeiner Rasseeigenschaften sind stets gefährlich und irreführend. Nirgends ist die Gefahr von Fehlschlüssen so naheliegend wie auf diesem Gebiet, weil die subjektive Einstellung des Urteilenden nur allzu leicht Wunschgemäßes und objektiv feststellbare Tatsachen identifiziert. Gilt dies schon für die Beurteilung psychologischer Tendenzen bei national und topographisch homogen gelagerten Rassen, so noch in viel stärkerem Maße für alle Kennzeichnungen „jüdischer Rasseeigenschaften". Die Fehlerquellen, die durch die Diaspora, die verschiedenartige soziale und ökonomische Lage, die Unterschiedlichkeit der einzelnen Wirtsvölker und die verschiedenartige graduelle Dynamik der geistigen Assimilation bedingt sind, brauchen an dieser Stelle nicht noch einmal des breiteren erörtert zu werden. Trotz dieser negativen Voraussetzungen glaube ich dennoch, mit der nötigen Vorsicht einige allgemein symptomatische Erscheinungen für die Beziehungen zwischen Judentum und bildender Kunst feststellen zu dürfen. Judentum und bildende Kunst: denn nur um diese handelt es sich hier. Sowie wir versuchen, etwa eine allgemeine Axiomatik über die Beziehung des Juden zur Kunst schlechthin, also auch zur Musik, zu den verschiedenen Zweigen der Literatur usw. festlegen zu wollen, geraten wir auf das Gebiet uferloser Phantastereien und willkürlichster Behauptungen, die weder historisch noch psychologisch belegt werden können. Daß ein gemeinsamer Oberbegriff „Kunst", der etwa Musik, Literatur und bildende Kunst umfaßt, in diesem Fall nicht aufgestellt werden kann, ist sofort evident, wenn wir an die quantitative und qualitative Verschiedenartigkeit der jüdischen Produktion und Rezeptivität auf diesen Gebieten denken. Eine Verschiedenartigkeit, die so weit geht, daß von obenhin Urteilenden für einzelne Gebiete künstlerischen Schaffens den Juden überhaupt jede Befähigung abgesprochen wurde. Notgedrungen müssen wir also, wenn wir überhaupt zu einigermaßen beweisbaren Resultaten kommen wollen, uns auf eine Analyse der Beziehung zwischen Judentum und bildender Kunst beschränken. Ein historischer Rückblick auf das letzte halbe Jahrhundert europäischer bildender Kunst beweist einen prozentual abnorm großen Anteil von bildenden Künstlern jüdischen Geblüts. Und zwar handelt es sich hier keineswegs um die mittleren Begabungen, sondern auch unter den Großen und Führenden begegnen wir immer wieder Juden. Es sei hier nur an Pizzaro, Israels, Liebermann, Antokolsky, Messel und die Halbjuden Hans v. Marpes und A. v. Hildebrandt erinnert. Allein diese Reihe ganz beliebig herausgegriffener Namen genügt, um zu beweisen, daß sich dip jüdische Produktivität nicht allein auf Malerei be-

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