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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 2
Article
Ein missglückter Versuch
Date
1920-01-01
Page
77 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Josef Meisl: Ein mißglückter Versuch 77 JOSEF MEISL I EIN MISSGLÜCKTER VERSUCH Aus der Geschichte der Ghowewe~Zion-Bewegung In unseren Tagen, in denen der Gedanke des Zusammenschlusses weiter, über den Rahmen der zionistischen Organisation hinausreichender Kreise zur intensiveren Förderung der Palästinakolonisation neue Aktualität gewonnen hat, dürfte es von erhöhtem Interesse sein, auch aus der Geschichte der Chowewe-Zion-Bewegung eine Episode, die den praktischen Versuch zur Verwirklichung eines derartigen Zusammenschlusses zeigt, der Vergessenheit zu entreißen. Am 22. Februar 1890 war nach langwierigen Bemühungen das Statut der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" von dem russischen Minister des Innern bestätigt worden. Damit hatte die schon durch die Kattowitzer Konferenz (1884) angebahnte organisatorische Zusammenfassung der Chowewe-Zion-Vereine eine neue Basis erhalten, an Stelle der zersplitterten Kräfte trat eine einheitliche, legalisierte Repräsentanz der palästinophilen Bewegung, das „Odessaer Komitee", an dessen Spitze damals Dr. Pinsker stand. Die Tätigkeit des Komitees erstreckte sich unter Mithilfe des zu diesem Behufe eingerichteten Exekutivorgans in Jaffa in der Hauptsache auf die Förderung schon bestehender Kolonien (Gederah, Pethach-Tikwah, Jessod-Hamaala) und Gründung neuer Siedlungen (Wadi el Chanin, Rechoboth, Mischmar-Hajarden, Chederah). Die Schwierigkeiten waren zum Teil außerordentlich groß und erheischten schwere Opfer der Pioniere. Die Schicksale Chederahs, dieses „Schmerzenskindes der Kolonisation", und der Kolonie Mischmar-Hajarden, von der es hieß, sie sei „ein Messer ohne Klinge, dem. der Griff fehlt", sind bezeichnend für die überaus prekäre Situation der Kolonisation in jenen Tagen, aber auch für den heroischen Opfermut, mit dem die ersten Pioniere die Widerwärtigkeiten der Verhältnisse überwunden haben*). Das Odessaer Komitee sah sich vor die Notwendigkeit gestellt, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel entweder ausschließlich für die Deckung der dringendsten Lebensbedürfnisse der Kolonisten oder wie in Gederah für die Sanierung des durch Malariasümpfe gefährlichen Klimas zu verwenden. Die Träume von einer großzügigen Kolonisation zerrannen vor der rauhen Wirklichkeit, die Anforderungen des Siedlungswerkes überstiegen die Kräfte des Komitees, das, besonders nach dem Tode Pinskers, mehr und mehr die einstmals gehegten großen Pläne fallen ließ und in das Fahrwasser eines philantropischen Vereins geriet, der neben dem Hilfswerk des Baron Rothschild die Hauptstütze der Kolonisation bildete. *) M. Glückson, „Das Werk der Chowewe-Zion". — „Die Welt", 1910, Nr. 41.

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