Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Presserundschau
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 64 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Umschau: Presserundschau fernt genügend Stofflichkeit zur Verfügung ist... Sie haben gegen alles einzelne eine Distance des Nicht-Erleben-Könnens in einem letzten echtesten Grunde, und da sie nun gleichzeitig doch nicht wie die Inder großartig resignieren oder transzendieren können, werden sie ein unsauberes und gefährliches Gemenge von halborientalischen Sinnlichkeiten und halborienta- Hschen Übersinnlichkeiten, fühlen sich eingegeklemmt und unsicher, werden schließlich aus Balancelosigkeit abglitschend Materialisten und Zyniker/' In dieser Unfähigkeit zu einer ganz nahen Beziehung zur Wirklichkeit erblickt er den Hauptgrund dafür, daß die Juden im Sozialismus und Kapitalismus, die er beide ablehnt, so stark hervortreten. Anderseits betont er aber, daß ein Jude, Disraeli, den direkten Weg aus der Krisis weist, und daß innerhalb der jüdischen Entwicklung zwei Regenerationsprozesse wirksam sind, die zionistische Tendenz, die er als die romantisch-religiöse auffaßt, und die europäische, die realpolitisch, kultursynthetisch, auf den Schmelzungsprozeß gerichtet ist. Beide sind ihm nebeneinander berechtigt und gehören organisch zusammen; denn für die Juden wie für jedes Volk ist „der einzige gangbare Weg ein innerlicher Nationalismus bei äußerem Europäertum", also die innerliche Durchbildung einer Volkskultur, zugleich aber die Zusammenfassung dieser verschiedenen Volkskulturen zü einer höheren Einheit. Von hier aus muß er in dem Verhällnis der Völker zum Judentum den Antisemitismus als „hellen Wahnsinn1 und primitive Barbarei" verwerfen. Ebenso wie es die Juden selber versuchen, so sollen auch alle anderen Völker durch einen innerlichen Reinigungsprozeß das schlechte Jüdische in sich selbst ausmerzen. Ein hohler, lediglich nach außen gerichteter Kampf gegen das Judentum kann nur dazu führen, daß die Völker, indem sie in Konkurrenz mit den schlechten Seiten des Judentums treten, selbst innerlich immer mehr diesen unl erliegen. Die wahre Aufgabe aller Völker aber ist heute die gleiche: „Durch einen innerlichen Nationalismus aus einem Haufen von Rotten Volk zu werden.*1 Für die Redaktion verantwortJicb: Dr. Max Strauß, Berlin. — Jüdischer Ver'ag, Berlin, r— Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig,