Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein neuer Vorschlag für die Besiedelung Palästinas
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 49 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau: Rassenkunde 49 woraus wiederum hervorgeht, daß dessen Ziffern als sehr optimistisch gelten müssen. Was aber besonders für die vorwiegende Einführung der von ihm vorgeschlagenen Kolonisationsweise spricht, ist außer der Eignung das Landes jedenfalls auch die Eignung des Volkes dafür. Denn bei dieser intensivstei Babauung kommt es hauptsächlich auf die Intelligenz des Siedlers an, und deshalb erscheint sie als die geeignetste für den Juden. Eine der wichtigsten Fragen, soll die Ausdehnung der vorgeschlagenen Kulturart in breitester Weise erfolgen können, ist jene des Absatzes. Diese Frage ist, abgesehen von der Konkurrenzfähigkeit der Preise, eine solche der Organisation und des Transportes. Die Organisation wird von Soskin eingehend besprochen. Er zweifelt nicht daran, daß sie — ähnlich wie jene für Orangen und Wein in Palästina — einwandfrei gelöst werden wird. Ein anderes ist die Transportfrage, da es sich vielfach darum handeln wird, mit den Erzeugnissen früher in den Absatzländern zu erscheinsn, als andere Produktionsgebiete. Die Nähe des kaufkräftigen Marktes, den Ägypten darstellt, mit welchem Lande heute bereits gute Verbindungen vorhanden sind, wird auch diese Frage lösen lassen. Immerhin, wie weit die einseitige Basierung der Kolonisation (soweit es sich um bewässerten Boden handelt) auf Gemüsebau ausgedehnt Werden kann, wird heute noch kontrovers bleiben. Soskin ist kein Befürworter der gemischten Wirtschaft. Er glaubt, daß der eine Siedler (etwa der Ackerbauer) sehr unzufrieden sein würde, wenn er senen müßte, daß die Wirtschaft seines Nachbars sich schon viel früher rentierte, als seine eigene. Es ist hier aber ein krasses Beispiel gewählt, das durchaus nicht verallgemeinert werden kann. Gewiß werden große, zusammenhangende Flächen ein einziges Gemüse- und Gartenkulturlani bilden, aber Soskin selbst spricht davon, daß die Genossenschaften Milchwirtschaft treiben müssen, und da ergibt sich schon die Notwendigkeit, Futterpflanzen zu bauen, ebenso werden die Kolonien ihren Fettbedarf (Oliven) selbst gewinnen wollen usw. Die gemischte Wirtschaft, hat eine Reihe von Vorteilen, die schon oft genug dargelegt worden sind, ebenso wie die Nachteile einer zu weit ge-" triebenen Monokultur. Es ist auch schwer, sich vorzustellen, daß die ganzen 300000 ha bewässerbaren Bodens Palästinas ausschließlich mit Gemüsekulturen u. dergl. bedeckt sein sollten und für die ungeheure Produktion, die sich daraus ergäbe, unter allen Umständen ein gesicherter Absatz sich finden sollte. Die Frage der Rentabilität und der Konkurrenzfähigkeit ist auch noch lange nicht einwandfrei sichergestellt, insbesondere, da ein großer Teil der . Flächen erst durch ^kostspielige Bewässerungsanlagen, die in der jetzigen teueren Epoche ausgeführt werden müßten, für jene Kulturen geeignet gemacht werden-sollen, Deshalb.werden auch.die ersten Versuche noch nicht maßgebend dafür sein.. Doch das sind Zukunftsfragen. Soskin, der selbst ein maßgebender Referent der Leitung des jüdischen Nationalfonds ist, wird jene Versuche selbst leiten. Da er nicht nur selbst große Erfahrungen in Palästina hat, sondern auch, wie seine Schrift zeigt, über jene in anderen Produktionsgebieten genauest orientiert ist und auf de£ganzen Linie mit den modernsten Methoden arbeiten will, so ist zu hoffen, daß sie gelingen werden und damit ein Weg gezeigt wäre, der unter günstigen Umständen zu einer wirklichen „Massen"Siedlung von Juden in Palästina führen könnte. Adolf Böhm FORSCHUNG UND ERKENNTNIS RASSENKUNDE Da in der jüdischen Rassenkunde selbst über die grundlegenden Fragen ein wirres Durcheinander von Meinungen herrscht und die wichtigsten Arbeiten auf diesem Gebiet schon älteren Datums sind, erscheint es zweckmäßig, als einleitende Übersicht einen rückschauenden Blick auf die ganze Frage und auch auf die ältere Literatur zu werfen. In späteren Aufsätzen soll dann fortlaufend über die neuesten Arbeiten berichtet werden, I. Allgemeines Eine „reine Rasse", d. h. eine Übereinstimmung aller einzelnen Individuen in allen Keft 1. wesentlichen Rassenmerkmaien, gibt es beim Menschen nicht (auch bei den höheren Tieren nicht in der freien Natur). Man kann sogar mit Sicherheit sagen, daß es sie nie gegeben hat In der Geschichte jeder „Rasse" stoßen wir auf Mischungen, bei jedem noch so abgelegenen Naturvolk finden wir Mischung verschiedener Merkmale. Aber es kann beim längeren Ausbleiben der Mischung (oder wenigstens bei geringem Zufluß neuer Elemente) sich innerhalb eines Menschenkreises eine typische Schiebtung von Merkmalen herausbilden, die diesen Kreis von anderen unterscheiden läßt. In diesem Sinne kann man von „Rassen" sprechen. Durch die Fortpflanzung wird dann zwar nicht eine einheitliche, aber eine typische Zusammenset- 4