Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Trumpeldor
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 39 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau: Politik 39 des ganzen neuen Jischuw infolge der Militärverwaltung nicht gut, so fand er auch bei semer Arbeiterschaft manche unerfreuliche Veränderung, Als er Palästina verlassen hatte, waren die Arbeiter zwar in verschiedenen Parteien organisiert gewesen, aber doch zusammengefaßt in der „Organisation landwirtschaftlicher Arbeiter**. Jetzt fand er bei seiner Rückkehr zwar die getrennten Parteien vor, aoer nicht mehr die einheitliche Organisation, Er nahm die schwere Aufgabe auf sich, die Einigkeit wieder herzustellen. Beide Parteien hielten den von ihm ausgearbeiteten Vorschlag für eine mögliche Grundlage zu Verhandlungen, seine Anstrengungen begannen Erfolg zu haben, — aber er sollte die Früchte seiner Arbeit nicht mehr sehen. Die Gefahr, die von den Arabern der Nordgrenze her dronte, zog die Aufmerksamkeit aller Arbeiter Palästinas auf sich. Beide Parteien gaben die Losung: „Nach Galiläa!** aus und riefen die Arbeiter auf, die jüdischen Kolonien und Arbeitspositionen in Obergaliläa zu schützen. Hier, auf dem gefährdetsten Posten war auch Trumpeldors Plate. Hier, in Tel Chaj, fiel er mit fünf Genossen dem arabischen Überfall zum Opfer. Schlachtfelder in der Mandschurei — zionistische Betätigung in der japanischen Gefangenschaft — Landarbeit auf den Feldern von Daganja; Kapitän der jüdischen Legionäre auf Gallipoli — Kommandeur der Selbstwehr-Brigaden in Rußland — Führer des Hechaluz im Galuth — und wiederum Arbeiter und Führer auf dem Schlachtfeld in Obergaliläa. Welch ein Ruhmesweg 1 Das Ende Trumpeldors wird niemanden überraschen. Ossja, dem Mann der Selbstopferung und der Tat, war ein gewöhnlicher Lebenslauf nicht beschieden. So oder ähnlich haben schon viele aus der Arbeitergemeinschaft in unserem Lande geendet; so werden noch viele enden, deren wachsames Herz und starkes Streben, deren großes Gefühl sie dazu berufen hat, Bahnbrecher eines neuen und freien Lebens in Palästina zu sein. Und trotz allem Weh, mit dem uns Josef Trumpeldors Tod erfüllt, fühlen wir die hohe Erfüllung, die in dieser letzten Vollendung seines Schicksals liegt: das Glück dieses JMarines, der sowohl seiner äußeren Pflicht genügen, wie der inneren Pflicht, die ihn rief, seiner Idee folgen konnte. J. S. UMSCHAU LEBEN UND BEWEGUNG POLITIK Wiederherstellung (Politische Chronik) Das politische Geschehen der letzten' Monate stand unter dem Zeichen der Restitution. Wiederherstellung war die deutliche Willenstendenz in den außenpolitischen und den weltwirtschaftlichen Bezienungen der Staaten untereinander wie in ihrer Innenpolitik. Anbahnung ruhigerer politische; Verhältnisse nach den Stürmen der Kriegs- und Nachkriegszeit, Aufnahme der alten wirtschaftlichen Verbindungen und Verknüpfungen, d eren Zerreißen keiner Partei von Vorteil gewesen war, Abbau des Hasses und der Feindschaft und der anderen üblen Kriegserinnerungen, möglichst rasche Rückkehr zu den Wirtschaftsmethoden der Friedenszeit, Konsolidierung der inneren Lage — alle Einsichtigen, die der fortdauernden geistigen und materiellen Zerstörung und Verwüstung längst müde waren, vertraten dieses Programm, welches allein Frieden verhieß. Das erste Friedensjahr freilich war nur vom Gedanken der Reparation beherrscht, ein Wort, das man heute ebenso gut mit Wiedergutmachung wie mit Wiedervergeltung übersetzen kann. Denn in den Ergebnissen dieses ersten Friedensjahres, den Verträgen von Versailles, St. Germain und Neuilly, ist neben der gerechten Absicht der Wiedergutmachung schweren Unrechts auch die Tendenz bloßer Rache und Wiedervergeltung verkörpert; und diese Tendenz triumphierte sogar über die andere. Die Friedensverträge zeigen nur noch Spuren dieses großen Widerstreites, von ihm selbst aber