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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Trumpeldor
Date
1920-01-01
Page
38 (sequence 2)
Language
German
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38 Bemerkungen: Trumpeldor auf. Am Tage arbeitete er mit der einen Hand, die ihm geblieben war; an den Abenden folgten Gespräche ohne Ende im Kreise der Arbeiter von Daganja und Migdal, Gespräche und Träume vom Aufbau eines neuen Lebens in der Arbeit. Es fiel ihm schwer, sich in seine neue Umgebung zu finden, denn er hatte die Bildung Rußlands und Europas, aber nicht die des Judentums. Er erkannte, daß nur sie ihn in geistigen Einklang mit seinen Kameraden bringen würde, und angestrengt, geduldig und zäh bemühte er sich, den jüdischen Werten, die bei den Arbeitern lebendig waren, sich seelisch zu nähern. Er war nicht allein. In manchen Städten und Städtchen Rußlands blickten glühende junge Menschen nach ihm aus, Mitglieder der Gruppe, die er zur Verwirklichung eines kommunistischen Lebens in Palästina gegründet hatte. Einige von ihnen gelangten noch vor dem Kriege ins Land und arbeiteten zusammen mit Ossja in Migdal. Als die Delegierten des Hapoel Hazai'r zum elften Zionistenkongreß reisten, fuhr auch Ossja mit ihnen nach Wien. Er reiste nicht als Delegierter. Er hatte sich eine bestimmte, klar umrissene Aufgabe gestellt. Er wollte einige reiche Zionisten, die in Migdal Geld investiert hatten, von den Schäden des privaten Unternehmertums überzeugen und ihnen den konkreten Vorschlag machen, die Farm einer Gruppe von Genossen zu übergeben, die sich auf den Prinzipien seiner Organisation aufbauen sollte. Seine freundschaftlichen Beziehungen von Moskau und Petersburg her und vor allem sein Vertrauen zu der Wahrheit, die in seiner Kritik und seinem Vorschlag lag, ließen ihn auf Erfolg hoffen. Er fand in Wien nicht, was er suchte. Die Gedanken und Forderungen, die ihm in Palästina aus den Qualen eigener Arbeit und Hingabe, eigener Erfahrungen und Leiden erwachsen waren, erschienen dem praktischen Verstand der Bürger auf den Kongressen als phantastische Utopien, ihre Träger bestenfalls brauchbar als hübsche idealistische Dekoration. Schweren Herzens verließ er Wien und suchte seine Freunde auf, welche verstreut in jenen kleinen Städtchen lebten, die immer noch die Quelle begeisterungsfähiger, hingegebener, zur Tat bereiter Kräfte sind. Nach einem kurzen Besuch in Rußland kehrte er wieder zu seiner Landarbeit in Galiläa zurück. Der Krieg brach aus. Eines Tages holte Ossja aus seinem Koffer die Offiziersuniform hervor, die schon lange Jahre dort ruhte, und stellte sich dem russischen Konsul zur Verfügung. Seine Handlungsweise war der seiner Arbeitsgenossen entgegengesetzt, die sich damals noch enger mit Palästina verbanden. Aber seine exponierte Stellung schien ihm diese Handlung als unausweichliche Pflicht zu fordern. Der galiläische Arbeiter Ossja trat wieder zurück vor dem jüdischen Offizier Josef Trumpeldor. In den folgenden Jahren gelangten wenig Nachrichten aus den feindlichen Lagern nach Palästina. In ihnen tauchte ab und zu der Name Trumpeldor auf, immer an den Stellen, an denen die verantwortlichste jüdische Arbeit zu leisten war. Man hörte von einem jüdischen Legionär, einem Führer der jüdischen Legion auf Gallipoli: Kapitän Trumpeldor. Die Legion verschwand. Neue Zeitungen kamen. In den russischen Revolutionstagen, zwischen grausigen Pogromnachrichten leuchtete plötzlich der Name Trumpeldor auf, diesmal an der Spitze der jüdischen .Selbstwehr, als Organisator und Kommandant der jüdischen Soldaten zur Verteidigung der russischen Juden. Die Selbstwehrbrigaden wurden von der Sowjet-Regierung aufgelöst. Trumpeldor erkannte, was jetzt seiner Ansicht nach allein nötig war: die Zusammenfassung von Juden zur aktiven, planvollen Gestaltung ihrer Zukunft durch ihre eigene Arbeit. Er organisierte den Chaluz, die Arbeiterpioniere für das künftige Palästina, den höchsten Ausdruck der jüdischen Aktivität. Nach dem Ende des Krieges wollte Trumpeldor sofort nach Palästina zurückkehren. Unterwegs, in Konstantinopel, findet er eine große Anzahl jüdischer Flüchtlinge, denen die Militärbehörde den Weg nach Palästina sperrt. Trumpeldor bleibt, sorgt für sie und verschafft ihnen Landarbeit in der Nähe von Konstantinopel. Vor einigen Monaten endlich kam er nach Palästina. War hier schon die äußere Lage

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