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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Die Prager Konferenz
Date
1920-01-01
Page
37 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen: Trumpeldor 37 setzen, die in ihrer Tagesarbeit niemals das große Ziel aus dem Auge verlieren, denen das nationale Ideal fern von jeder nationalistischen Großsprecherei und formalistischen Geschäftigkeit ein wesenhaftes Lebenselement geworden ist, leben sozialistisch in einem hohen Sinne dieses Wortes, den Gustav Landauer als die Tendenz geeinter Menschen, um eines Ideals willen Neues zu schaffen, formuliert hat. Die Bewegung, die aus der Vereinigung der Palästinenser mit den östlichen Zeire Zion und den westlichen Gleichgesinnten hervorgeht, ist eine Synthese zwischen Nationalismus und Sozialismus, beide Begriffe nicht im üblichen, sondern im 'hohen Sinne genommen. Dabei mag dem einen das eine, dem andern das andere Wort wichtig sein; im Grunde geht es überhaupt nicht um Worte. Es geht darum, daß man beginnt, die Gemeinschaft auf reinen Grundlagen aufzubauen, zunächst die natürliche Zelle, aus der das ganze soziale Gebilde hervorwächst: die Gemeinde. Auch in der Galuth muß der Übergang des jüdischen Menschen zur Arbeit vollzogen werden, und wo es jüdische Massen gibt, muß eine arbeitende jüdische Gesellschaft geschaffen werden. Das wichtigste ist der Aufbruch (im Grunde ist das Wort „Alijah" unübersetzbar) der jungen Menschen nach Palästina. Diese Wanderung soll geregelt werden; es soll jeder an seinen Arbeitsplatz gestellt werden; es soll mit Voraussicht und Sachlichkeit für die Erfordernisse des palästinensischen Lebens vorgesorgt werden. Kein politischer Erfolg vermag darüber hinwegzutäuschen, daß der Weg ein dornenvoller und opferreicher ist. Gegenüber der offiziellen zionistischen Schönfärberei und Hurrastimmung muß es einen Kern von Menschen geben, die wissen, wie schwer es ist, und die dennoch nicht ablassen. Innerhalb der zionistischen Organisation ist ein sozialistischer Block geschaffen worden, der entgegen den jetzt schon hie und da zutage tretenden Geschäftsinteressen Garantien dafür verlangen wird, daß das Aufbauwerk wirklich ein nationales ist, daß die Kolonisation auf sozialistischen Grundlagen erfolgt. Für die künftigen Entscheidungen wird die Existenz dieses Verbandes von ausschlaggebender Bedeutung sein. Weit größer aber ist seine Bedeutung als eine Keimzelle, aus der die große Bewegung hervorgeht, die nicht mehr das zionistische Ziel verficht, sondern unmittelbar im Leben verwirklicht. Die neue Partei ist als Partei ein unvollkommenes Gebilde; ihr Programm ist nicht scharf, ihre Organisationsformen nicht fest. Die einzelnen Gruppen werden sich gegenseitig belehren und erziehen, bevor sie auch faktisch verschmelzen. Die neue Partei ist ein Werdendes, das aus den Notwendigkeiten der lebendigen Bewegung hervorwächst. Die Partei ist nur ein Weg. Die Bewegung, die keine Fesseln kennt, wird zur schöpferischen Wiedergeburt des jüdischen Volkes durch Arbeit führen. Robert Weltsch Trumpeldor Einige Jahre vor dem Kriege kam er nach Palästina: straff, mit energischen Gesichtszügen von ausgesprochen russischem Gepräge, Abkömmling eines jener jüdischen Soldaten, die unter Nikolaus dem Ersten fünfundzwanzig Jahre lang zum Heere gepreßt wurden. Aus russischem Milieu kam er, durchtränkt von russischen Kultureinflüssen, aber ganz Aktivität und aufgespeicherte Energie. Der amputierte Arm erinnerte an das, was man von seinen Taten erzählte, von diesen außerordentlichen Taten im japanischen Krieg, die seine Beförderung zum Leutnant erzwungen hatten. Er war der einzige jüdische Offizier, den das Rußland Nikolaus des Zweiten, das Rußland der Pogrome, aufzuweisen hatte. Man wußte, wie er in japanischer Gefangenschaft in den Lagern für seine Idee, die Idee des Zionismus, gewirkt hatte. Aber das alles war Vergangenheit. Dieser Mensch selbst, dem Ganzheit'über alles ging, hatte es weggewischt, um sich ganz dem Gedanken zu geben, den er über sich gestellt hatte: in Palästina leben, ein jüdisches Leben in kommunistischer Gemeinschaft führen. Der berühmte Name Trumpeldor verschwand; an seine Stelle trat der jüdische Arbeiter Ossja, den bald alle Arbeiter in Galiläa kannten und liebten. Er trat in ihre Reihen und ging ganz in der Landarbeit

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