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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Die Prager Konferenz
Date
1920-01-01
Page
35 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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BEMERKUNGEN Die Präger Konferenz Die Prager Weltkonferenz des Hapoel hazair und der Zeire Zion ist in der konferenzreichen Geschichte des Zionismus ausgezeichnet vor allen andern Konferenzen. Ihre Bedeutung liegt nicht darin, was sie an Beschlüssen, Reden und Diskussionen zutage gefördert hat. Wer einengedruckten Bericht über die Verhandlungen liest, wird nicht gleich den besonderen Sinn dieses Ereignisses erfassen, der vielleicht erst später, erst in den Ausstrahlungen einer anhebenden Entwicklung sich enthüllen wird. Die Prager Konferenz, in der zunächst heterogene Elemente aufeinanderstießen, war Erschütterung, Impuls, revolutionäre Tat. Auf dieser Konferenz wurde zum erstenmal in der Geschichte des Zionismus eine geistige Bewegung angebahnt, deren Ziel die unmittelbare Verwirklichung ist Zum erstenmal ging der Kampf — nicht der Kampf einzelner Gruppen gegeneinander, sondern der Kampf jeder Seele gegen die Schwere — um das Ganze, um das wirkliche Leben. Zum erstenmal ist das werdende Palästina zu den irrenden und suchenden Scharen der Galuth als Führer gekommen. Zum erstenmal hat Palästina einer jüdischen Bewegung sein Gesicht aufgezwungen, zum erstenmal sind palästinensische Delegierte mehr gewesen als Delegierte, sind als Träger einer Weltanschauung gekommen, mit der unerschütterlichen Selbstverständlichkeit derer, die die Wahrheit gefunden haben und in der Wahrheit stehen, die den ernstlichen Versuch unternommen haben, sich aus den Banden der Lüge und der selbst errichteten konventionellen Truggebäude zu befreien. So wurde diese Konferenz nicht ein parlamentarisches, sondern ein vitales Phänomen. Die palästinensischen Arbeiter kamen nicht zu unterhandeln, sondern Menschen zu gewinnen, innige Verbindung mit der suchenden jüdischen Jugend der Galuth anzuknüpfen, Wege zu weisen, das wirkliche Wesen des nationalen Ideals, des Aufbaus eines neuen jüdischen Volkslebens in Erez Israel zu zeigen. Das durch vielfache Alterserscheinung verdunkelte Antlitz des Zionismus, der Erneuerung des jüdischen Volkes, Erneuerung des jüdischen Menschen, wirkliche fundamentale Neuschöpfung, wirkliche Wiedergeburt will, hat in Prag wieder geleuchtet. Darum ist diese Konferenz ein grundsätzlicher Einschnitt in der jüdischen Bewegung. In diesem Zusammensein von Menschen ward deutlicher als je das Paradox der redenden , verhandelnden Menschengemeinschaft, die heute unter dem Namen Parlament, Organisation, Verein, Partei usw. das Gemeinschaftsleben der sogenannten Kulturmenschheit beherrscht, schmerzlich fühlbar. Denn es ging um ganz andere Dinge, und jeder wusste es, als die in Diskussionen erledigt werden können. Es war für die trotz allem Zionismus dennoch guten Europäer eine überwältigende Lehre, daß die Palästinenser teils mit Verwunderung, teils mit heftiger Abwehrgebärde gegen jede Aufstellung von Programmen, gegen alle Theorien und gegen allen Wortfetischismus auftraten. Nicht etwa darum, weil sie kein Programm oder keine Grundsätze haben, sondern darum, weil sie es nicht zulassen wollen, daß zwischen Programm und Verwirklichung auch nur eine zeitliche Kluft klafft; weil sie wissen, wie verführerisch die Proklamation von Ideen, die advokatorische Vertretung schöner Programme selbst die besten Menschen anzieht und allmählich das Gefühl dafür verwischt, daß zwischen der Vertretung eines Programms und seiher Ver- 3*

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