Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan 9 THEODOR HERZLS VERHANDLUNGEN MIT DEM TÜRKISCHEN SULTAN Dokumente aus der Geschichte des politischen Zionismus Vorbemerkung Zum Verständnis der hier veröffentlichten Dokumente, welche ganz neue Aufschlüsse über ein bedeutsames Kapitel aus der Geschichte der zionistischen Bewegung und aus der Lebensgeschichte Thecdor Herzls geben, sei Folgendes vorausgeschickt/ Am 2$. Mai 1901 brachte „Die Welt", die damals in Wien, dem Sitz des Zionistischen Aktionskomitees, erschien, an erster Stelle eine telegraphische Korrespondenz ihres Berichterstatters aus Konstantinopel, in der es heißt: „Zu Beginn der vorigen Woche verbreitete sich unter den Juden Konstantinopels die Kunde, daß Herr Dr. Theodor Herzl, begleitet von dem Mitgliede des Zionistischen Aktionskomitees, Architekten Oscar Marmorek und dem Direktor der Jüdischen Kolonialbank D. Wolffsohn, in Konstantinopel eingetroffen sei. . . . Am Freitag, den 17., erfuhren wir, daß Herr Dr. Herzl dem Selamlik (das ist die feierliche Auffahrt des Sultans zum Freitaggottesdienst) in dem für die kaiserlichen Gäste reservierten Pavillon beigewohnt hat, daß nach dem Selamlik ein kaiserlicher Adjutant Herrn Dr. Herzl ins Palais bitten ließ, wo derselbe von Sr. Majestät dem Sultan in einer Audienz von der ungewöhnlichen Dauer von zweieinviertel Stunden empfangen wurde und danach von Sr. Majestät den Groß-Cordon des Medjidie-Ordens, eine der höchsten Auszeichnungen, die der türkische Monarch zu vergeben hat, erhielt. — Alle Juden Konstantinopels fühlten sich mit hochgeehrt durch die Auszeichnung, die Herrn Dr. Herzl zuteil geworden war, und dichtgedrängt war daher am Freitag abend die deutsch-österreichische Synagoge in Galata, wohin die Herren Dr. Herzl, Architekt Marmorek und D. Wolffsohn zum Gottesdienste zu kommen versprochen hatten. Am Eirigange des schmucken neuerbauten Tempels erwartete der gesamte Vorstand mit dem Präsidenten an der Spitze die Gäste, iiach deren Ankunft der weihevolle Gottesdienst nach altjüdischer Weise begann. Am nächsten Morgen wurde Herr Dr. Herzl in den Yildiz-Kiosk berufen, wo er von VaH Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags verblieb. Für Montag war die Abreise der Herren mit dem Orient-Expreßzug festgesetzt. Sie mußte jedoch verschoben werden, da die Herren Dr. Herzl und Wolffsohn, welche sich um 9 Uhr vormittags ins Palais begeben hatten, bis 5 Uhr nachmittags daselbst verblieben. _ Vor seiner Abreise hatte Herr Dr. Herzl ein neues Zeichen kaiserlichen Wohlwollens in Form einer prachtvollen Brillantnadel erhalten. Dienstag früh verließen die Herren mit dem Schiffe nach Constanza Konstantinopel." In der folgenden Nummer der „Welt" vom 31. Mai wird redaktionell über den Empfang Theodor Herzls nur kurz bemerkt: „Über den Inhalt der hochwichtigen Audienz und der .Konferenzen .zu berichten, scheint vorläufig nicht an der Zeit." Auch in der (in den „Zionistischen Schriften" abgedruckten) Rede, die Herzl bei einem Bankett des Londoner „Makkabäerklubs" am zx. Junii90i in der St. James Hall hielt, gab er keine nähere Aufklärung über seine Audienz, sondern erklärte nur, daß man „in der nächsten