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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 1 · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Article
Der vierundzwanzigste April
Date
1920-01-01
Page
8 (sequence 4)
Language
German
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8 Michael Jizchaki: Der vierundzwanzigste April Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina als Hirngespinst abgewiesen — zurückgedrängt von den faits accomplis der Proklamation des Königs Feisul und des Pogroms zu Jerusalem. Und noch klarer wird die Bedeutung des Sieges von San Remo, nicht nur für uns, nicht für das Judentum allein, sondern seine allgemeine historische Bedeutung, wenn man sich vergegenwärtigt, in welcher Atmosphäre — des Hasses, der Intrige, der kleinlichen merkantilen Berechnungen — unser schöner, großer Gedanke sich Geltung verschaffen mußte. Die angesehene englische Wochenschrift „Nation" hat ja vor-einiger Zeit geschrieben, man sei nunmehr gewöhnt, wenn man „Mandat" sagt, zu fragen: Worum handelt es sich, um Kohle oder Petroleum? Palästina hat weder Kohle noch Petroleum, und seine strategische Bedeutung ist auch sehr zweifelhaft. Der Philozionismus eines gewissen Teils der Politiker ist selbstverständlich nicht ohne imperialistische Untertöne, aber hier treten sie doch am wenigsten in Erscheinung. Nicht umsonst sind in den letzten Tagen, da das Schicksal Palästinas und der jüdischen Forderungen nach zuverlässigen Mitteilungen an einem Haare hing, gerade die idealistischen Vertreter der englischen öffentlichen Meinung — die Führer der englischen Arbeiterschaft und die Leiter der radikalen Presse — mit energischen Erklärungen für die Durchsetzung der zionistischen Forderung eingetreten. Den historischen Sieg haben die zionistischen Vertreter des jüdischen Volkes in San Remo erkämpft — im Namen des höheren Rechtes. Dieser Sieg , hat eine Planke hinzugefügt zu dem schmalen unsicheren Steg, der in eine bessere Zukunft führt. Dieses Wunder — der Sieg des reinen Gedankens in unserer brutal-realistischen Zeit — hat, so möchten wir glauben, eine unermeßliche symbolische Bedeutung. In seinem Roman „Die Brüder Karamasow" erzählt Dostojewski die wundersame Parabel vom Zwiebelchen. Es lebte einmal ein böses, sündhaftes Weib. Das starb und wurde alsbald in den Feuerpfuhl der Hölle geworfen. Ihr Schutzengel aber besann sich auf die einzige gute Tat, die sie in ihrem Leben getan hatte: einst hatte sie einer armen Frau ein Zwiebelchen geschenkt. Da wurde ein Zwiebelchen ihr vom Himmel niedergereicht und es wurde ihr zugerufen: „Haitedich daran, vielleicht wird es gelingen, dich daran emporzuziehen und aus dem Höllenfeuer zu retten." Im Bilde dieses Symbols erscheint uns die feierliche Versprechung, die die alte Weltordnung dem ärmsten der Völker gegeben hat.

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