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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 11 · p. 523

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 11
Article
Ansprache des Generals Smuts
Date
1919-01-01
Page
523 (sequence 2)
Language
German
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Dokumente des Zionismus 523 der verstorbene General Botha. In einem sehr kritischen Stadium der Friedenskonferenz war er zufällig Vorsitzender des polnischen Komitees; furchtbare Dinge geschahen damals in Polen, furchtbare Dinge, und ich erinnere mich, wie er eines Morgens (wir hatten unsere Zimmer nebeneinander im Hotel Majestic) mit flammender Entrüstung zu mir kam und mir die Geschichte von Pinsk erzählte, eine der schmachvollsten Begebenheiten, die in den letzten Jahren vorgefallen sind. Pinsk war von der polnischen Armee erobert worden, die jüdische Bevölkerung wurde zusammengetrieben, die Weiber, Kinder und Greise wurden ausgemustert und die Männer an die Mauern gestellt, um erschossen zu werden, und viele würden tatsächlich erschossen. General Botha, der zu jener Zeit Vorsitzender des polnischen Komitees war, war nicht der Mann, die Dinge gehen zü lassen. Er begab sich zum obersten Rat und stellte ihm vor, daß es für ihn unter solchen Verhältnissen ganz unmöglich sei, Vorsitzender des polnischen Komitees zu bleiben. Seine Entrüstung wurde von den anderen Mitgliedern des obersten Rates geteilt und der Entwurf des Vertrags zum Schutze der Minoritäten in Europa, der Ihnen bekannt ist, wurde sofort veranlaßt. Und an dem Tage, an dem der Friedensvertrag mit Deutschland unterzeichnet wurde, an diesem gleichen Tage und bei der gleichen Gelegenheit wurde in dem Spiegelsaal dieser Vertrag zum Schutze der religiösen und nationalen Minoritäten in Europa ebenfalls unterzeichnet. Die polnische Regierung mußte ihn unterzeichnen und sie unterzeichnete ihn auch bei dieser Gelegenheit. Und, meine Damen und Herren, obwohl ich an diesem Tage auf mein Amt nicht besonders stolz war, so war ich sehr stolz darauf, das Vorrecht zu haben, diesen Vertrag zum Schutze der nationalen und religiösen Minoritäten unterzeichnen zu dürfen. Sie werden wohl in den letzten Wochen aus Zeitungsberichten und Notizen gesehen haben, daß dieser Minoritätenschutzvertrag große Unruhe hervorgerufen hat, da der oberste Kriegsrat nun alle kleinen europäischen Nationen und alle Regierungen, welche eingesetzt worden sind, dazu zwingt, diesen Vertrag zu unterschreiben, so wie ihn Polen unterschreiben mußte. Sie haben gesehen, daß wegen Rumänien beträchtliche Schwierigkeiten entstanden sind, da es den Vertrag nicht unterschreiben will. Es gab viele Schwierigkeiten wegen dieses Vertrages mit einigen der anderen kleinen Staaten, die in Europa entstanden sind, aber die Großmächte bleiben fest — Gott sei Dank, sie bleiben wenigstens in diesem Punkte fest. Und ich hoffe, wenn der Frieden endlich von allen Mächten unterzeichnet sein wird, dann wird auch dieser Vertrag zum Schutze der Minoritäten von allen Regierungen, großen oder kleinen, welche auf dem europäischen Kontinent gebildet sein werden, unterzeichnet worden sein. Es kann sein, daß es vorläufig nur ein Vertrag ist, nur ein Fetzen Papier, aber, meine Damen und Herren, seien Sie dessen gewiß, daß dieser Vertrag, welcher in erster Reihe ein Vertrag zum Schutze der Juden und in zweiter Reihe ein Vertrag zum Schutze auch der anderen Minoritäten ist, der künftigen Geschichte Europas ein unauslöschliches Merkmal aufdrücken wird. Ihr Volk, Ihr kleines Volk hat im Laufe der Geschiente das schwerste Unrecht erlitten, nicht hur in vergangenen Zeiten, sondern noch gestern; und selbst heute noch sind in verschiedenen Teilen Europas diese Leiden über euch verhängt. Es ist uns nicht möglich, selbst den Großmächten nicht, in jenen Teilen Rußlands, welche in den Friedensvertrag noch nicht einbezogen sind, unseren Einfluß geltend zu machen. Doch wir alle hoffen, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem auch Rußland in den Friedensvertrag einbezogen wird und an dem Rußland und die verschiedenen in Rußland errichteten Regierungen den Minoritätenschutzvertrag unterzeichnet haben werden. Und an. diesem Tage, so hoffen wir alle, werden diese Leiden, diese nutzlosen Leiden, diese Todesqualen, die durch Jahrtausende den Juden auferlegt waren, ein Ende finden, um niemals wiederzukehren. Ich zweifle nicht daran, meine Damen und Herren, daß in der neuen Atmosphäre, die in Europa im Werden ist, in dem neuen Geist, der in der Welt geboren wurde und der allmählich die zivilisierte Gesellschaft umformen wird, sehr bald der Tag kommen wird, an dem die Leiden der jüdischen Rasse, wie wir sie aus der Geschichte kennen, ihr Ende finden werden. Und wenn der Tag kommt, dann werdet ihr hier in diesem Lande mit Stolz daran denken, daß einer der mächtigsten Sachwalter, einer der Männer, der darauf bestand, daß dieser Vertrag unterzeichnet werden soll, euer eigener Premierminister, war, General Botha. Durch diesen Vertrag wurde für die Verbesserung des Loses der Juden in Europa sehr viel getan, aber ich habe immer mit meinen Freunden von der zionistischen Föderation gefühlt, daß das nicht genug ist, daß das Übel eine tiefere Wurzel hat und daß das Heilmittel tiefer dringen muß, um das Übel zu erreichen, und das ist der Grund, warum ich mit den Zielen und Idealen der

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