Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die zionistische Leitung und die Jubelstimmung-Macherei
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 522 (sequence 2)
- Language
- German
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522 Bemerkungen das Verlangen, rasch zu handeln, habe es geboten, nicht viele Überlegungen walten zu lassen und das zu tun, was wir eben getan haben werden — diese Sünde würde uns dann ewiglich nicht verziehen werden*)!" „Die Leitung hätte aber all die Trompeter der Feder und des Wortes überwachen und zügeln sollen", wird man sagen. Und mit Recht. Man vergesse aber auch nicht, daß beinahe durch zwei Jahre nach der Balfour- Deklaration infolge des Krieges und der bolschewistischen Revolution fast keine Verbindung zwischen der Zentralleitung und den Peripherien, gerade besonders nicht mit Mitteleuropa und den Massenzentren Osteuropas, bestanden hat und so eine Einflußnahme recht schwer war. *) Daß an anderen Stellen des Blattes manches anders zu wünschen wäre, gehört nicht hierher. Gerade zum Thema des zweiten Teils von Goldmanns Aufsatz, zur Araberfrage, möge folgende charakteristische Stelle aus derselben Nr. z des „Haolam" gebracht werden. Das Blatt gibt zuerst die bekannten, uns sehr ungünstigen Äußerungen Emir Faisuls gegenüber dem Vertreter des , Jewish Chronicle" wieder, worin er von uns nichts weniger verlangt, als daß wir „Araber mosaischer Konfession" werden, und darauf einen Ausschnitt aus irgendeinem Artikel der „Times", der im Grunde nichts Besonderes sagt und essentiell nichts mehr bedeutet als eben eine Zeitungsäußerung — es werden darin unter den Faktoren, mit denen man bei der Lösung der Palästina-Probleme zu rechnen haben werde, auch die Zionisten genannt, denen man die Möglichkeit zu geben habe, dort eine nationale Heimstätte zu gründen — und schließt mit der unglaublich — sagen wir gelinde: — ministeriell-philiströsen Wendung: „Die Worte Faisuls und die der halboffiziösen Zeitung der englischen Regierung — was ist mehr?" (Wobei ich wahrlich die Persönlichkeit Seiner Hoheit des Emirs nicht überschätze.) Jedenfalls, jetzt muß es eine der wichtigsten Sorgen der Leitung sein, all den Verantwortungslosen Maulschlösser anzulegen, die fortwährend die Situation folgendermaßen darstellen: „Das Elend, die Leiden der jüdischen Massen, der Millionen, in Osteuropa sind jetzt unerhört, unerträglich, und es gibt für sie nur eine Hoffnung: Erez-Israel". Es ist nötig, daß die Leitung gleich laut verkünde und immer in kurzen Zeitabschnitten wiederhole, daß jetzt, am Anfang, zumindest in den nächsten paar Jahren, für Millionen in Palästina auch bei der günstigsten diplomatisch-politischen und ökonomischen Konstellation kein Platz sein wird (nicht einmal nach Trietsch!). Und da widerspreche ich Goldmann von einer der frühern entgegengesetzten Seite: er fürchtet die Enttäuschung der Massen nur, wenn die diplomatische Sache schlecht stehen wird; ich aber mehr noch, wenn sie gut stehen sollte. Denn im ersteren Fall wird sich die Masse der jetzt Auswanderungslustigen nur von uns lossagen — was natürlich auch ein ungeheurer Schaden wäre; im letzteren Fall aber wird sie unsern Bau erdrücken, unmöglich machen, wenn sie nämlich glauben wird, Palästina sei bei günstiger Erledigung des Vertrages imstande, schon jetzt Millionen aufzunehmen und zu halten. Und daß da die zum Aufbau Untauglichsten, Unvorbereitetsten, die jedes Verantwortungsgefühls Barsten, jeder Einordnung Unwilligsten die ersten wären, die hinüberkämen, ist selbstverständlich. Das muß auch jeder Zionist bei jeder Gelegenheit sich und jedem wiederholen. Daß wir nicht warten, bis unsere Gegner aller Art und Absicht dies tun, dies gegen uns, gegen unsere Idee und Bewegung ausnützen, jetzt und besonders später, bei der unvermeidlichen großen, tiefen Enttäuschung. Zloczow Abraham Schwadron DOKUMENTE DES ZIONISMUS Ansprache des Generals Smuts (am 3. November 1919 in Johannisburg bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Empfang der jüdischen Gemeinschaft Südafrikas) Ich will hier keine Rede halten und ich bin sicher, daß Sie keine Rede von mir erwarten. Ich habe das Gefühl, als wäre ich heute abend bei einem Familienfeste, und ich möchte nur ein wenig meine Gedanken umherschweifen lassen und einige beiläufige Bemerkungen machen, welche manche der Empfindungen ausdrücken sollen, die mir in den Sinn und aus dem Herzen kommen. Vor allem möchte ich Ihnen wärmstens für die Worte der Erinnerung danken, die heute abend unserem verstorbenen Oberhaupt General Botha gewidmet worden sind. Die Juden Südafrikas verdanken ihm sehr viel; er war ein großer Mann mit einem großen Herzen und, meine Damen und Herren, glauben Sie mir, daß in den vergangenen Zeiten niemand mehr für die Juden getan hat als