Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Vom orientalischen Judentum
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 446 (sequence 14)
- Language
- German
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446 S. Jabneeli: Ehrenplatze, jene denkwürdige Tagung, in der die gesamte türkische Judenheit, dieselbe, die wenig Wochen zuvor kaum den Namen Palästina laut auszusprechen wagte, dieselbe, deren Führer sich an der Hetze gegen den Zionismus beteiligt hatten, durch den Mund ihrer frei gewählten Vertreter ein einmütiges flammendes Bekenntnis ablegte für das jüdische Volk als lebende einige Einheit und für sein historisches Ziel Palästina. Die vom Nationalrat eingebrachte Entschließung war mit der der südrussisch-jüdischen Nationalversammlung buchstäblich identisch. Zwei Delegierte wurden abgeordnet, ihren Wortlaut nach Paris zu tragen und der Konferenz der Vertreter der übrigen Landesjudenheiten zu übermitteln. Den Oberkommissaren der Mächte wurde sie in Sonderaudienzen bekanntgegeben. Am 28. Januar 1919 stand das orientalische Judentum, wo seine Träumer seit mehr denn zehn Jahren es haben wollten. Die unablässige Aktivierungsarbeit erlebte die erste Ernte. Es hatte dem Weckruf der Zeit weit seine Tore geöffnet. Es stand wissend und wollend vor seiner eigenen Zukunft und der jüdischen Gesamtheit. Es fühlte Drang und Zuversicht, sich an Haupt und Gliedern zu restaurieren, den Mut und die Kraft, seinen mitbedeutenden Platz im Staatswesen einzunehmen, die Freude und die Berufung, in die Reihe der wertbildenden, kulturschaffenden Einheiten des jüdischen Volkes einzutreten und an seiner Geschichtsaufgabe mitzuwirken. Mögen in der Folge noch nicht alle Früchte, die es in jenen Monaten des Werdens und Schwellens angesetzt, völlig zur Reife gediehen sein (Rückschläge waren begreiflich und vorauszusehen) — auf alle Fälle datiert von diesem Tage die Renaissance des orientalischen Judentums. z. Z. Kolberg Israel Auerbach (Konstantinopel) DIE HEB RAISIERUN G DES VOLKES Im Laufe der Kriegsjahre reifte im jüdischen Volk die Erkenntnis seiner nationalen Einheit. Sie fand in der alle großen und wertvollen Volksteile umfassenden Bewegung der jüdischen Kongresse ihren Ausdruck. In diesen Kongressen wurde die Einheit Israels in Gegenwart und Zukunft unter der doppelten Forderung proklamiert: Nationale Rechte in der Diaspora und einen jüdischen Staat im Lande Israel! Der jüdische Weltkongreß der Abgeordneten des ganzen Volks aus allen Ländern seiner Zerstreuung steht vor der Tür. Unser Volk rüstet sich zur Verteidigung seiner Existenz in der Diaspora und zum Aufbau seiner nationalen Heimstätte im Lande Israel durch konzentrierte Tätigkeit, durch vereinheitlichende, zusammenfassende Leitung und durch zwischenstaatliche jüdische Anstalten, die vom jüdischen Kongreß oder der zionistischen Weltorganisation zu gründen sind. Die kulturelle Arbeit der Erweckung unserer Literatur und der Wiederbelebung unserer Sprache, die die geistig-nationale Existenz unseres Volkes in Palästina und im Galuth festigen soll, harrt ebenfalls der Einigung und Befruchtung durch Konzentration des Schaffens und der Schaffenden. Infolge der ununterbrochenen Anstrengung einer arbeitenden Gruppe während der letzten zehn Jahre vor dem Kriege hatte eine solche Konzentration angefangen, als „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" in die Welt der Realität