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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Gedanken zur Gründung der jüdischen Universität in Palästina
Date
1919-01-01
Page
413 (sequence 7)
Language
German
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£- Lipschütz: Das Leben des Kindes im Cheder 413 nischer Mißton gewesen sein. Er war indes berechtigt in der Zeit der sittlichen Strömungen und Gesetzgebungen im weiten Orient, die der Jesajanischen Epoche vorangegangen sind. Doch vermochte Bachja, vielleicht der tiefste Mensch der jüdischen Diaspora, kaum mehr als nur auf den inneren Wert der individuellen sittlichen Persönlichkeit hinzuweisen. Eine solche Tatsache, wie die Hebung einer Volksgemeinschaft zum Leben, wie die geistige Verselbständigung eines eigenen Volkes es sein dürfte, konnte er kaum in sein Denken einbeziehen. Wir können es, warum? Darum, weil die Wissenschaft, nicht eben im Sinne einer sporadischen und bald wieder erlöschenden Erscheinung, sondern in ihrem kontinuierlichen Werden erst im 15. Jahrhundert mit der Wissenschaft der Philologie begann. Nach und nach gewann der Mensch den Mut, sich auch den Objekten in der Natur zuzuwenden, zuerst demjenigen in der Form der trägen Masse. Das Gesetz von der Trägheit der Masse war die erste große Errungenschaft des Zeitalters Galileis und Keplers. Indes die Frage: welche Kräfte oder Gesetze überwinden die materielle Trägheit? war sofort gleichbedeutend mit der Frage: welche Kräfte oder Gesetze überwinden die geistige Trägheit? Letztere Problemstellung ist der ersteren geschichtlich sogar vorangegangen. Diesen Fragestellungen liegt aber das Prinzip einer Abwehr zugrunde. Man kann es wohl sagen, auch die Menschheit hatte ihr allgemeines kulturelles Galuth, das auch bis auf die Neuzeit sich erstreckt. Die Neuzeit ist wie gesagt die Zeit der Untersuchung derjenigen Kräfte, die die Dinge in lebendige Zusammenhänge umbilden, gleichviel ob dies dingliche oder gesellschaftliche Zusammenhänge sind. Das leitende Prinzip ist jetzt die organische Gesamtheit. Sie soll nach ihrer eigenen ihr zugrunde liegenden lebendigen Substanz leben, ohne Eingriffe sie beherrschender äußerer Machtmittel. Man nennt dies politisch: Autonomie. Wir selbst, sofern dies nur im menschlichen Können lag, lebten sicherlich nach diesem Prinzip; und wenn wir uns auch fast darin erschöpft haben, uns nicht bestimmen zu lassen, Wir wollen aber nunmehr in dem Zeitalter, das unter dem Zeichen der Energie steht, in der Übertragung dieser Wertung auf das Sittliche die sittliche Energie in die Erscheinung treten lassen, sie auf unser inneres Leben rein autonom gestaltend wirken zu lassen. Dazu gehört vor allem Wissen und Wissenschaft. Wir haben eine Universität auf einem Berge in Jerusalem begründet. Symbolisch ist es, daß sie in derselben Stadt gegründet worden ist, in der einst der Tempel stand. Wir haben unser Wesen nicht aufgegeben. Das Galuth in seiner praktischen Abwehr ist eine sittliche Größe, wie die Bibel selbst es ist. Wir sind dieselben, und wenn wir als Gesamtheit eine geistige Heimstätte bauen, so bauen wir auch damit ein Heiligtum, ein Heiligtum des Lebens selber auf. Berlin Arie L- Rosenblatt DAS LEBEN DES KINDES IM CHEDER*) Cheder - dieses Wort erweckt bei den Westjuden meist die Vorstellung von trauriger, gequälter Jugend in dumpfer, stickiger Atmosphäre. Und gewiß, es muß zugegeben werden: Der Melammed hielt strenge Zucht, und auch die Helfer waren mit Schlägen rasch bei der Hand. Woher kommt es nun, daß "^TÄuTeinem in Vorbereitung befindlichen Buch über den Cheder.

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