Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 407

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina
Date
1919-01-01
Page
407 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101150-3101159-3104850--3536-3104891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

enblatt: Gedanken zur Gründung der jüdischen Universität Die jüdische Universität muß diese Gewohnheit des Geistes gleich zu Anfang abzulegen suchen. Sie muß die große Schule der Welt für praktischen Idealismus werden, wo Ideal und Materie, Leben und Lernen, Theorie und Praxis, die innere Welt und die äußere zu einer lebendigen Einheit verschmelzen, wie in keiner andern Universität in Ost und West. Nur auf diese Weise wird das Licht einmal wieder von Jerusalem ausgehen und die Schritte nicht nur des jüdischen Volkes leiten, sondern einer Welt, die nie zuvor die aufgespeicherte Weisheit und Erfahrung jüdischer Herzen und Hirne so notwendig gebraucht hat. Aberystwyth University College prof. Alfred E. Zimmern GEDANKEN ZUR GRÜNDUNG DER JÜDISCHEN UNIVERSITÄT IN PALÄSTINA Tnmitten der weltumwandelnden Ereignisse unserer Tage wandelt sich auch A das ewige Problem, das das jüdische heißt. Es sucht nach einer endgültigen, erschöpfenden Lösung, nach derjenigen Tat, die nun endlich einmal ganz jenseits des Galuth, nicht zum Zwecke der Abwehr und der Stellungnahme sich manifestiert, vielmehr das positive Leben begründen und fortzeugen soll. Diese Tat ist angebahnt durch die Gründung der jüdischen Universität in Palästina, die sich am 21. Juli 1918 vollzogen hat. Es ist dies eine Tat des jüdischen Willens, desselben Willens, der den Juden durch die Person eines Josua ben Gamala, eines Rabbi Jochanan ben Sakai, eines Rabbi Chija in die Schule schickte, desselben, der dem Juden das Buch in die Hand zudringlich drückte und ihm befahl, „bei Tag und bei Nacht über die Lehre nachzusinnen", Sie ist eine Willensschöpfung der jüdischen Psyche, derselben Psyche, die einerseits noch vor einem Menschengeschlecht das im Sinne der jüdischen Moral wertlose Buch als trefe-possul aus dem Hause bannte, andererseits - aber die hebräische Sprache in eine heilige verwandelte und sie keineswegs mit dem Alltag in Berührung bringen wollte. Sabbat und Chol. Nichts charakterisiert so sehr das Galuth als der trennende Strich, den der Jude zwischen diesen zwei Worten zog. Diese Tatsache ist unwiderlegbar. Das Galuth mit seinen Licht- und Dunkelphasen, das tatsächlich nicht stets und nicht ausschließlich Galuth war, war es aber um so mehr, je dicker dieser trennende Strich gezogen worden ist. Der Jude flüchtete in seine Welt, die er um so heiliger nannte, je mehr ihn das Draußen, um mit den Worten eines Dichters zu sprechen, in einen „Hund mit hündischen Gefühlen verwandelte". Es ist dies ein besonders wichtiges Kapitel in der Erscheinungsweise des Juden, daß er sich, sofern der sinnliche Ausgangspunkt seinen Intellekt bestimmt, weniger nach dem Raumsinn als nach dem Zeitsinn orientiert. Hier ist das jüdische Problem wie an seinem Grundkern anzufassen. Daher symbolisiert der Jude in zeitlicher Orientierung durch die Hawdalah den Übergang vom Kodesch zum Chol, obwohl dieser Unterschied bei ihm nicht bloß in der Zeit lag, wohl aber auch im Buch, im Wort wie im Gegenstand. Er vollzog sie auch einst in den ersten Jahrhunderten des Galuth in einer bestimmten Weise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.