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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 395

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina
Date
1919-01-01
Page
395 (sequence 2)
Language
German
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Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina 395 des grundlegendsten und schwierigsten der vielen Probleme, denen die wiederhergestellte jüdische Nation gegenübersteht — des Problems ihrer moralischen und geistigen Einheit — nach Möglichkeit beizutragen. Wenn diese Darlegung mit ihrer leicht ersichtlichen Unvollkommenheit in Gedanke und Ausdruck in irgend einer Weise dazu dienen würde, die Diskussion über diese Frage zu fördern, so würde ich mehr als befriedigt sein. Zwei Bemerkungen habe ich vorauszuschicken. Erstens, daß mein Besuch meinen zionistischen Glauben und meine Begeisterung außerordentlich gefördert hat. Das zionistische Programm scheint mir sowohl ausführbarer als wertvoller, als ich es in meinen nüchterneren Momenten zu finden erwartete. Ich möchte einen Augenblick bei der Schönheit und dem Zauber des Landes selbst verweilen. Es ist ein Land, von dem es sehr schwer wird, sich zu trennen, ein Land, gleich fesselnd, ob man es im Mondlicht, ob im Sonnenschein sieht, und das man mit dem Entschluß verläßt, bei der ersten Gelegenheit zurückzukehren. Ich bezweifle auch keineswegs, daß es wieder zu einem Land gemacht werden kann, in dem Milch und Honig fließt. Es verlangt geradezu danach, fruchtbar gemacht zu werden, und moderne Wissenschaft und jüdischer Fleiß und Eifer sind dazu ohne Zweifel imstande. Versuche, die 30 Jahre lang im Land gemacht wurden, haben es bewiesen. Einer der erfreulichsten Eindrücke einer Reise in Palästina sind die stets sichtbaren Bemühungen jüdischen Fleißes, die Wildnis wieder zu einem blühenden und fruchtbaren Land zu machen. Gerade, weil Palästina zu allem dem gemacht werden kann, was wir von ihm erhoffen, ist es meiner Ansicht nach zweckmäßig, im Augenblick die Erörterung von der materiellen Möglichkeit, von der Frage „Kann es ein jüdisches Palästina geben?" — einer Frage, die nach meiner Ansicht keine zweifelnde Antwort zuläßt — auf die Frage zu verlegen: „Welche Art von jüdischem Leben können wir in Palästina schaffen?" — „Was können wir hoffen aus Jüdisch- Palästina zu machen?" Zweitens habe ich zu bemerken: trotzdem die jüdische Frage weitaus die wichtigste und interessanteste in Palästina ist, müssen noch zwei andere Fragen flüchtig gestreift werden: die arabische Frage und die britische Frage. Die Probleme der Beziehungen der jüdischen Gemeinschaft zu den Arabern und Briten sind nach meiner Ansicht viel weniger verwickelt und viel leichter zu lösen, als die innere jüdische Frage. Mit Geduld und Klugheit und vernünftigem Nehmen und Geben auf beiden Seiten müßten die arabische und britische Frage zu einer befriedigenden Lösung geführt werden können. Die wirklich interessante Frage ist die innere jüdische Frage. Tatsächlich ist Palästina in viel stärkerem Ausmaß, als ich es wußte, ehe ich hinkam, schon jetzt ein jüdisches Land. Die Juden sind dort sehr verbreitet. Freilich sind sie auch im Westen verbreitet, in Deutschland, in Amerika und sogar in England, allem in Palästina sind sie verbreiteter als je. Man begegnet ihnen, wohin man geht, und sie sind bereits die treibende Kraft des Landes. Man kann das durch Ziffern beweisen. Wenn man das Budget der Besetzungsorganisation, der britischen Organisation, vergleicht mit dem der zionistischen Organisation und dabei besonders wichtige wirtschaftliche Posten ins Auge faßt, wie Gesundheits-

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