Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ruppins Aufbauplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 385 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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RUPPINS AUFBAUPLAN Mit unerwarteter Plötzlichkeit ist die zionistische Organisation vor eine riesenhafte Aufgabe gestellt worden: die jüdische Heimstätte in Palästina aufzubauen. Ein Werk ohne Beispiel ist zu tun. Die Vorbereitung dafür ist in jeder Hinsicht eine gänzlich unzureichende. Die Schuld daran liegt nur zum geringsten Teil an der zionistischen Organisation selbst, so sehr auch in ihren Reihen das Interesse für die realen Palästinaprobleme stets viel zu gering war, wie schon vor zwei Jahren an dieser Stelle (Jahrgang II, Seite 747) des Näheren ausgeführt wurde. Vielmehr ist die gesamte Judenschaft anzuklagen, die in jahrzehntelanger Verblendung die Wahrheit über ihre Lage, wie sie von den Zionisten unermüdlich verkündet wurde, nicht hören wollte. Auch heute noch, obzwar die Mehrheit der Judenschaft sich zum Palästinazionismus bekennt, ist die Energie, mit der daraus Konsequenzen gezogen werden, äußerst gering. Unsägliche Mühe wird es daher noch kosten, bis die geistigen und materiellen Kräfte, die der Aufbau erfordert, in nötiger Zahl bereit sein werden. Die zionistische Organisation kann mit dem Beginn ihrer Arbeit darauf nicht warten. Sie muß mobilisieren, was irgend erreichbar ist. Sie muß den Plan aufstellen und ihn durchführen. * Den Plan aufstellen! Niemals ist eine ähnlich schwierige Aufgabe mit gleicher Plötzlichkeit zu lösen gewesen. Es ist bei dieser Sachlage ein Glücksfall für das jüdische Volk, den Mann zu besitzen, der wie keiner sonst die Fähigkeit hat, das Problem sowohl theoretisch zu durchdringen als auch über die Ausführungsx möglichkeiten,-gestützt auf eigene Erfahrungen, zu urteilen: Dr. Arthur Ruppin. Wer, wie er, seit mehr als einem Jahrzehnt an der Spitze der kolonisatorischen Arbeit des Zionismus gestanden hat, der hat unzählige Reibungen und Widerstände zu überwinden gehabt, hat sicherlich auch Fehlgriffe zu verzeichnen und erscheint daher denen, die seine Weggenossen waren, zwar als besonderes Talent, doch die Distanz zu ihm ist mehr oder weniger verwischt, er gilt als ein „erster unter gleichen". Deshalb ist zu sagen, daß er mehr ist als nur dieses. Arthur Ruppin ist ein staatsmännisch-konstruktiver Kopf, wie ihn auch jene Völker, die in Politik und Staatskunst nach lebendigen Traditionen und auf urgewachsenem Boden bauen können, nur wenige besitzen. Was wir an ihm bewundern: das vollendete Gleichmaß wissenschaftlicher Objektivität und praktischer Energie, bei vollkommener Übersicht über die Totalität des Seins, findet sich selten und bei Juden fast nie. Arthur Ruppin hat den Plan bereits entworfen. In seinem Buche: „Der Aufbau des Landes Israel44*) breitet er ihn vor uns aus. An diesem Buch ist es zuallererst die Form, die, wie bei seinen füheren Werken, den konstruktiven Geist des Autors verrät Sie ist die richtige Verknüpfung von synthetischer und analytischer Methode: das Werk ist geschaffen aus einem tiefen Erfassen des *) Jüdischer Verlag, Berlin. 1919. Heft 9. 25