Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1916)
- Article
- Das jüdische Proletariat in den Vereinigten Staaten
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 277 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Daten und mittlungen des U.S.Department of Labor, Bureau of Labor Statistics, Bulletin No. 148 existieren heutzutage folgende Tarifverträge, die zwischen der International Ladies Garment Workers Union und den entsprechenden Fabrikbesitzern abgeschlossen worden sind: 1. Cloaks, Suits and Skirts, in New York, umfassend 50000 Arbeiter (1910), 2. Dresses and Waists, umfassend 36 000 Arbeiter (1913), 3. Kimono and House Dresses, New York, umfassend 3500 Arbeiter (1913), 4. Wire Goods (Ladies Underwear), New York, umfassend 10 000 Arbeiter, 5. Misses and Children's Dresses, New York, umfassend 7 500 Arbeiter (1913), 6. Cloaks and Suits, Boston, Jahr 1913, umfassend 5000 Arbeiter, 7. Dresses and Suits, Boston, Jahr 1913, umfassend 3000 Arbeiter. In der Damenkleiderindustrie waren demnach im Jahre 1914 ca. 115 000 Arbeiter organisiert, während die Gesamtzahl laut den Erhebungen des Jahres 1909 154000 betrug. Gemäß demselben Dokument (Appendix H, Seite 154) waren in der Herrenkleiderindustrie 11 Tarifverträge vorhanden, welche insgesamt über 90 000 Arbeiter kontrollierten. Kurzum, mit Ausnahme der Steinkohlenindustrie gibt es in keinem einzigen Arbeitszweig eine derartig hohe Entwicklung des Prinzips des Tarifvertrages, wie sie die Kleiderindustrie, in der die jüdischen Einwanderer dominierend sind, aufweist. Welche Vorgänge im Arbeiterleben man zum Vergleich auch heranziehen mag, immer wieder stellt es sich heraus, daß die Einwanderung der jüdischen Massen nach Amerika auf die Zustände innerhalb des Arbeiterlebens nur günstig eingewirkt hat. Zieht man z. B. die Frage der Arbeitszeit in Betracht, so erweist es sich, daß die zehn Jahre der größten Judeneinwanderung nach den Vereinigten Staaten, die Jahre 1901 bis 1910, durch eine fortwährende Verkürzung des Arbeitstages in New York City, dem Hauptzentrum der Juden, sich ausgezeichnet haben. So ist z. B. der Prozentsatz der Arbeiter, welche 10 Stunden und weniger täglich arbeiten (am Sonnabend nur bis 12 Uhr mittags) unter den Einwanderern in New York City größer als bei den Arbeitern in den anderen Teilen des Staates New York, die hauptsächlich von eingeborenen Amerikanern bewohnt sind. Folgende Tabelle beweist dies: Materialien 277 New York City New YorkState (auflerNYC) 57 Stunden 58 Stunden 57 Stunden 58 Stunden Jahr in der Woche in der Woche in der Woche in der Woche und weniger und mehr und weniger und mehr 1901 53,7 46,3 17,8 82,2 1902 54,8 45,2 22,2 77,8 1903 65,8 34,2 25,2 74,8 1904 67,4 32,6 31,8 68,2 ö5,5 1905 68,8 69,0 31,2 34,5 1906 31,0 35,o 65,0 1907 71,2 29,8 38,5 6i,5 1908 70,9 29,1 40,9 59,i 1909 71.5 28,5 39,5 60,5 1910 75,5 24,5 40,4 59,6 Wenn wir, abgesehen von New York, die zwei anderen Staaten, in denen die jüdische Arbeiterbevölkerung besonders stark ist, nehmen, nämlich Illinois und New Jersey, so können wir uns gleichfalls überzeugen, daß die Einwanderer einen weit größeren Prozentsatz für die organisierte Arbeiterschaft als die heimischen liefern. So sind in Illinois von einheimischen 423 290 Arbeitern 25 985 organisiert, von ausländischen 308 595 Arbeitern 57 163 organisiert. Während also das Verhältnis zwischen den einheimischen und eingewanderten Arbeitern in Prozenten mit 57,8 zu 42,2 sich ausdrückt, ist dasselbe Verhältnis unter den organisierten Arbeitern mit 31,3 zu 68,7 feststehend. Dies will also besagen, daß die Ausländer relativ ca. dreimal so stark wie die anderen im Staate Illinois organisiert sind. Die entsprechenden Angaben stellen sich für den Staat New Jersey folgendermaßen: Von den einheimischen 243 093 Arbeitern sind 24 463 organisiert. Von den 137 385 ausländischen Arbeitern gehören den Unions 26 704 an. Während also im Staate New Jersey unter den Arbeitern die einheimischen 63,9%, die ausländischen 36,1% liefern, so stellen dieselben Arbeiter zu den Organisationen in Prozenten 47,8 bezw. 52,2%. Demgemäß erweist sich auch hier die Neigung der Eingewanderten zu gewerkschaftlicher Vereinigung als doppelt so stark wie die Neigung der Ausländischen. (Die Angaben über die Staaten Illinois und New Jersey sind folgenden offiziellen Berichten entnommen: Fourth Biennial Report of Labor Statistics of Illinois, Tenth Annual Report of the Bureau of Statistics of Labor and Industries of New Jersey.) Leider gibt es keine offiziellen (sei es staatliche, sei es kommunale) Erhebungen betreffs der Zahl der gewerkschaftlich organisierten osteuropäischen Juden in den Vereinigten Staaten. Indes auf Grund der Angaben