Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1916)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1916-07-01
- Page
- 255 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Arno Nadel: Jüdische Volkslieder 255 JÜDISCHE VOLKSLIEDER Religiöse Lieder 3- Begrüßung des Sabbaths. Scholaum alechem, Malochim meine, Scholaum alechem, Malochim, meine Fraind, Scholaum alechem, mein Weib und Kind, Schabbes koidesch is azind. Scholaum alechem, Malochim, meine Fraind, Schabbes koidesch is doch haint, Scholaum alechem, Malochim meine, Scholaum alechem, mein Weib, gut Schabbes. (Übertragung;) Friede mit euch,ihr Engel meine, Friede mit euch, ihr Engel, Freunde meine, Friede mit euch, mein Weib und Kind, Habt ihr vernommen, Der heilige Sabbath ist gekommen. Friede mit euch, ihr Engel, Freunde meine, Sabbath ist heute im heiligen Scheine, Friede mit euch, ihr Engel meine, Friede mit euch, mein Weib, meine Zier, Einen guten Sabbath wünsch ich dir. Ein schönes Sabbathliedchen, das ich nachtragen möchte. Es ist dem jiddischen Jahrbuch „Der Pinkes" entnommen. Auch dieses Lied ist im Grunde unübersetzbar. „Gut Schabbes" ist jüdisch, ist jiddisch, wie man will. „Einen guten Sabbath wünsch ich** ist alles andere, nur nicht „gut Schabbes". In diesem Sabbathzuruf ist.alle Heiterkeit, alle Erfüllung eingeschlossen. Endlich ist „Schabbes", nun ist unsere andere Welt hinuntergekommen, — ihr lieben Kinder, Freunde, du meine liebe Frau, Schabbes ist „itzund", Schabbes, unser lieber Wohl-Tag, unser ewiger, langer Tag, den die Woche eigentlich nur unterbricht, damit wir ihn doppelt und immer neu empfinden, — „Friede mit euch, ihr Engel meine", das ist der erste Gruß, den der Vater spricht, wenn er in die helle Stube tritt, die auch ohne die beiden Lichter auf dem Tisch genügend froh erstrahlen würde, — die beiden Lichter da sind für die Engel. Und wirklich leuchten sie, als wenn sie Lichter aus einer fernen und doch so nahen Welt wären. „Friede mit euch, ihr Engel, ihr Freunde meine", „Friede mit euch, mein Weib und Kind", — die kommen nun nach den Engeln, sie sind die leibhaftigen, die sichtbaren Engel, so rein, so lieblich, so wonnig im Lächeln, so wonnig im erfüllten wunschlosen Herzen, — „der heilige Sabbath ist ja heute", ihr wißt es zu gut, aber ich muß es dennoch sagen, ich muß die Freude über meine Lippen bringen, — und abermals werden die Engelsfreunde angerufen, und es wird ihnen noch einmal der Sabbath gemeldet, — der letzte Gruß aber bleibt doch dem süßen Weib, das man auch sogleich aus salomonischem Munde mit Preis überschütten wird, — „auf sie vertraut das Herz ihres Mannes, und an Erwerb mangelt es ihm nie. Sie tut ihm Gutes, niemals Böses, alle Tage ihres Lebens .... Kraft und Würde ist ihr Gewand, sp sieht sie dem künftigen Tage entgegen .... Ihre Kinder stehen auf und loben sie und ihr Mann rühmt sie: viele Frauen haben Heldentaten verübt, du aber übertriffst sie alle", — ihr gilt denn auch der letzte Liebesgruß: gut Schabbes! — Und das ist das Original, das unsere Volksvariante nachahmt;