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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 243

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die Bodenkultur bei den Juden
Date
1916-07-01
Page
243 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Die Bodenkultur bei den Juden 243 der Bodenkultur. Die Theorie und Praxis der Verbreitung landwirtschaftlicher Berufsarten unter den Juden haben bereits gewisse Stadien der Entwicklung durchgemacht, die Bedeutung gewisser Methoden bereits aufgeklärt und die Einschätzung anderer noch nicht genügend erprobter auf die Tagesordnung gesetzt. In Palästina, Rußland, Amerika haben die für die jüdische Kolonisation interessierten Kreise die Fragen des Bodenkaufs ins Auge gefaßt, des Vorbereitens des Siedlermaterials aus den arbeitenden Volksmassen, der Organisierung des landwirtschaftlichen Kredits, der Entwicklung des Genossenschaftswesens und der Hebung der landwirtschaftlichen Technik in den bestehenden und erstehenden jüdischen Kolonien. An die Lösung dieser Probleme war im Laufe der letzten Jahrzehnte die Philanthropie, reicher und reichster einzelner Juden, wie Baron E. Rothschild und Baron M. Hirsch, herangetreten. Eine kapitalskräftige Kolonisationsgesellschaft (die ICA), Vereine zur Verbreitung der Bodenkultur und des Handwerks unter den Juden in Palästina, wie das Odessaer Palästina-Komitee, die nordamerikanische „Jewish Agricultural and Industrial Aid Society" usw., alle diese und ähnliche Gesellschaften haben die Privatinitiative einzelner Personen und ganzer Siedlungen zu stützen gesucht. Die zionistische Bewegung hat dann spezielle Träger der jüdischen Besiedlung Palästinas ins Leben gerufen. Zum Bodenankauf und zur Verbreitung der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeit wurde der Nationalfonds begründet. Als Kreditinstitute waren der Jewish Colonial Trust, die Anglo-Palestine Company und die Anglo-Levantine Bank geschaffen. Das in Palästina das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation und den Jüdischen Nationalfonds vertretende Palästina-Amt hatte die Bildung und Entwicklung unternehmungslustiger jüdischer Pflanzungsgesellschaften und mutiger Arbeitergenossenschaften gefördert. Und wo nur möglich, war man vor Kriegsausbruch an die Verwirklichung einer langen Reihe von Projekten, die sich auf die Entwicklung der jüdischen Bodenkultur beziehen, herangetreten. Doch das wichtigste aller Probleme auf diesem Gebiete wird erst nach dem Kriege zur möglichst raschen Lösung sich aufdrängen. Sobald die Möglichkeit vorhanden sein wird, in Palästina unter Überwindung geringerer Schwierigkeiten, als früher, zu kolonisieren, wird nämlich das Problem sich ergeben, alle Bestrebungen zur Verbreitung der Bodenkultur unter den Juden, alle dafür zu Gebote stehenden Mittel und Kräfte auf Palästina zu konzentrieren. Wollen wir hoffen, daß die Lösung dieses in nationaler Beziehung so schwerwiegenden Problems in dem offensichtlich zunehmenden Interesse der Judenheit für Palästina und in den nach dem Kriege gebesserten Bedingungen für eine jüdische Besiedlung Palästinas ihre stärksten Stützpunkte finden wird. Den Haag J. Oettinger 17*

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