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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 237

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens
Date
1916-07-01
Page
237 (sequence 5)
Language
German
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J. Oettinger: Die Bodenkultur bei den Juden 237 Kolonisten sehen, und dabei noch in einem Zustande, daß man in gewissem Grade von einigen kleinen Kolonisationszentren sprechen kann, die Anziehungspunkte für Tausende und Zehntausende zu werden versprechen, die Erde suchen, — müssen wir zu dem Schluß kommen, daß der historische Prozeß des Übergangs vom Vermittler tum zur Arbeit, des Normalisierens der jüdischen Ökonomik durch Erfülltheit und Vielseitigkeit in Amerika die besten äußeren Bedingungen, die reichsten Möglichkeiten und weitesten Perspektiven gefunden hat. Es ist aber gar kein Zweifel, daß die arbeitenden Elemente im gegenwärtigen Augenblick einen noch viel höheren Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung ausmachen, als das die gebrachten Daten zeigen. Denn gerade in den letzten Jahren hat der Übergang zu Fabrikation und Handwerk, zu Industrie und Erdarbeit den Charakter eines wahrhaften Naturereignisses angenommen. Und erst auf Grund aller dieser sozialen Wandlungen, die wir konstatierten, wurde das Emporkommen einer weltlichen jüdisch-nationalen Intelligenz möglich, die mit den Massen nicht nur ideologisch und nicht nur blut- und rassenmäßig verbunden ist, sondern ökonomisch, noch richtiger sozial. Aus eben diesem jüdischen Körper, der die bis jetzt besprochenen Elemente aus sich entwickelte, wuchs im Laufe der letzten fünfzig, sechzig Jahre eine reiche Geld- und Industrie-Großbourgeoise und eine große jüdische Intelligenzgruppe hervor. Diese beiden obersten Schichten stehen außer und über der eigentlichen jüdischnationalen Welt, indem sie trotz aller Schwierigkeiten sich in dieselben Klassen der umgebenden stärkeren Völker eindrängen; doch sind auch diese Schichten mit so starken Fäden noch der jüdischen Gasse verbunden, daß sie noch als Glied, wiewohl als krankes Glied, des jüdischen Volkskörpers gerechnet werden können. Mit einem Wort, das einfache, einfarbige und eintönige jüdische Leben wurde geteilt und differenziert, wurde reicher an Farben und Tönen; das jüdische „Milben"- Leben wurde verwickelter und komplizierter, breiter und tiefer; der jüdische Markt- und Schänklärm verstummte vor einem neuen Leben, das vielseitiger und wohl auch schöner und ethischer ist. Jakob Leszczynski DIE BODENKULTUR BEI DEN JUDEN*) Das Bestreben, die Bodenkultur unter den Juden zu verbreiten, ist bekanntlich nichts als ein Ruf, zu derjenigen Erwerbsquelle zurückzukehren, der einst der allergrößte Teil des jüdischen Volkes angehörte. Dieses Volk ernährte sich von seiner eigenen Hände Arbeit, lebte das gesunde Leben der Ackerbauer und Gärtner, schuf in seinem Buche der Bücher unvergängliche Ideale nationaler Bodenpolitik. Auch nach dem Verluste der heimatlichen Scholle hat das jüdische Volk noch während *anger Jahrhunderte das Streben zur Bodenkultur nicht aufgegeben, und, wo es nur irgend anging, griff es zum Pfluge, bis es in die Ghettomauern eingesperrt wurde. . *) Aus einem Vortrag, gehalten in der „Jüdischen holländischen Vereinigung für Land- Ortschaft und Gartenbau".

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