Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der Expressionist Leopold Krakauer
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 378 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Emil Levy: Mal für Mal zur Erlösung suche. So zerfallen die 21 Bilder in 7 Abteilungen, von denen die letzte nur ein Blatt enthält, das Symbol der Glorie, Erlösung, des Sabbath, das königliche Symbol, in dem Dreiseit mit Dreiseit sich vereint. Solcherart teilen sich die 21 Atemzüge in sechs Schöpfungswege und einen Ruhetag, Ein Schöpfungsweg ist immer die Fortsetzung des vorhergehenden, durch alle geht das Suchen nach dem erlösenden Ruhetag. So wie ich aus dieser ganz wohldefinierten, wohlgeordneten Welt in jedem Atemzug dem abgründigen Ungeheuer, das griechisch Chaos heißt, verfallen bin, so ist auch die Schöpfung der Ordnung aus dem Chaos in jedem Jetzt geschehen. In den sechs Schöpfungswegen geht es immer um das Ringen des Oben und Unten, die eben durch dies Ringen ein Zwischenreich zwischen sich bilden, das immer wieder zu Trägheit und Teilnahmslosigkeit abfällt. Ist diese Beruhigung des Zwischenreiches einmal da, dann zerschlägt der Schöpfungswille die Schöpfung dieses Weges um des nächsten willen. In den Abfall der Richtung aber bin ich nicht nur sehend eingestellt, sondern ich selber bin schuld an der Trägheit der Zwischenwelt und ich selber trage die Richtung. In mich selber ist das Zeichen von Gottes Glorie eingebrannt. Alle diese Bilder der Schöpfungswege und des Ruhetages in eines gefaßt: „Bezälem Aelohijm", mein Gott, „durch Gottes Keim", hast du Gestalt geschaffen, daß du ein Bild von deinem Jammer sähest, daß deiner Augen Schau im Menschen werde, daß deine Schwere in ihm schwert, schufst du aus Blut ihn und aus Erde. „Adamah" nanntest damals du die Welt, als Weib dem Adam beigesellt. Doch „dam", das Blut in Adams Adern, begann mit Adämah zu hadern. Und weil es Blut aus deinem Herzen war, so mußtest du auch „Chawwah" — Leben — dem Keime deiner Schau zum Weibe geben. So hast du dich zerweitet ganz und gar. Doch weil dies alles eben jetzt geschehen, kann ich dich immer noch als Einen sehen. Doch weil der Aufruhr deines Blutes nimmer heilt, seh ich mich Staub und schwer und von dir abgeteilt. Und wie zu Schau mich deine Augen siegeln, seh ich aus meinem Aug in dir mich spiegeln'; und baue neuen Keim zu neuen Welten ihm, der von sich sagen wird und mir: „Bezälem Aelohijm!" Wien Elijahu Rappeport ISRAEL-HOMUNCULUS 1. Den künstlichen Menschen, welcher nach dem Rezept des Paracelsus in der chemischen Retorte hergestellt werden kann, hat Goethe in seinem „Faust" mit genialer Intuition zu einem tiefgründigen Problem gestaltet. Dies Problem lautet, abstrakt gefaßt: Es kann höchste geistige Potenz aller organischen Entstehung und natürlichen Existenzbedingung ermangeln. Aber auch die höchste,