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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Unser Weg zur Kunst
Date
1919-01-01
Page
374 (sequence 8)
Language
German
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374 Elijahu Rappeport: auflöste zu Rosenwerk und Lilienwerk; die sich dem vierten Gebot fügen konnte, ohne dadurch in ihrer schöpferischen Kraft beeinträchtigt zu werden. Aus dieser Betrachtung ergäbe sich folgendes: wenn wir im tiefsten Grunde unsres Empfindens noch dieselben sind wie in unsrer klassischen Zeit, wenn eine Jahrtausende lange Berührung mit Europa nicht die Grundelemente unsres In-die-Welt- Blickens geändert hat, dann muß unsre Kunst in dem Augenblick, da sie wieder eines Volkes Kunst wird, eine uneuropäische, eine orientalische Kunst, die Kunst der ornamentalen Linie werden. Es sei denn, daß es uns vorbehalten ist ein ganz Neues zu vollbringen: eine Synthese zwischen europäischem Sehen und orientalischem Schauen. Berlin Helene Hanna Cohn DER EXPRESSIONIST LEOPOLD KRAKAUER Zweck ist die Zange, die ich halte, nicht die mich weich in ihren Schneiden biegt Das Nebenbei, wenn ich gestalte, und nicht der Sinn, der im Gestalten liegt. Der Revolutions-Embryo in Deutsch-Österreich bewirkte unter anderem die sonderbare Erscheinung, daß das erste Stockwerk des Wiener Künstlerhauses, das sonst nur für Werke brav akademischer Zunft Raum hat, die Bilder einiger Künstler ausstellte, die unter den Sammelnamen „Expressionisten" fallen. Diese Revolutions-Einstellung der Meister alten Stiles, die Verfügung über das Künstlerhaus haben, hatte den vollen Erfolg, der sich voraussehen hat lassen: das Wiener Publikum strömte in die Räume des ersten Stockwerkes, hatte Kunst-Emotion wie nie vorher, war entrüstet, schimpfte, tobte, lachte, fragte, ob dies Ernst oder Scherz sei, sah nichts von dem, was da war, wiederholte aber laut und eindringlich, Kunst sei die Nachahmung der Natur und müsse gefallen und just dem Publikum gefallen, das keine Zeit zu schauen habe, füllte alle Tage der Ausstellung die Räume der „Narren" und erholte sich dann im unteren Stockwerk bei den gewohnten, lieben, vertrauten Werken geeichter Kunst, wo man alles erkennen kann, wo liebe Pferdchen an erste Knabenspiele erinnern, wo Wasser rauschend-plastisch schäumt und dem Publikum nichts zugemutet wird. Die Wiener Zeitungen begannen, der Revolution wegen vorsichtig, da sie keine Ahnung hatten, was das solle, erst in ein paar allgemeinen Phrasen sich in der Mitte zu halten, doch allmählich ermutigt von der „Instinktsicherheit" des anderen Publikums, schimpften sie wacker auf die „Futuristen", „Kubisten", „Expressionisten"; und — ganz so wie in der politischen Revolution — die „Sozialdemokraten" der Kunst, das heißt die materialistischen Ideologen oder ideologischen Materialisten, hatten die revolutionäre Flut auf ihre Mühlen getrieben. Ich würde nicht von diesem Äußerlichen sprechen, wenn ich es nicht für einen notwendigen Rahmen des Expressionismus überhaupt hielte, der zu großen Teilen auch Protest und Reaktion gegen dieses Treiben der kunstwidrigen Menge, die Publikum heißt, ist. Und es geht nicht an, daß ich von dem jüdischen Maler Leopold Krakauer berichte, ohne ihn in die Umgebung einzustellen, aus der sein Werk uns entgegentritt. Die jüdische Geschichte hat nicht mit der klassischen und heimatlichen Epoche begonnen, sie hat nicht mit dieser Epoche geendet. Schon in den Psalmen rinden wir den neuen Klang der Exil-Umgebung,

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