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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Das hebräische Buch und die deutschen Zionisten
Date
1919-01-01
Page
288 (sequence 2)
Language
German
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288 Bemerkungen richtigen Maßstab haben (dem hebräisch erzogenen Ostjuden fehlt er, — dessen Freude ist zu groß ob jedes neu entdeckten Wortschatzes). Er wird die wenigen modern-hebräischen Dichter in ihr Recht einsetzen, welche an den alten Geist des Judentums angeknüpft haben (und die in der heutigen hebräischen Literatur nicht eben die geschätztesten und verstandensten sind), und er könnte in seiner Sehnsucht nach dem großen Judentum die Schätze der Vergangenheit lebendig machen helfen, in denen der wahre Geist wesenhaften Judentums offenbar wurde. Die heutigen hebräisch Schreibenden haben — 4as setzt ihre Verdienste um das hebräische Wort nicht herab —, zum wesentlichen Judentum, zum religiösen, kein Verhältnis. Das aber hätte der deutsch erzogene hebraisierte Jude. Und nun denke man noch das: Wenn all die großen Kräfte, die wir im deutschen Zionismus haben, mit der hebräischen Literatur verbunden wären, wie heilsam wäre das ihnen! Wie viel künstlich konstruiertes Judentum aus dritter Hand müßten sie fallen lassen, wie viel wahrhaftiger und aufrichtiger würden sie sein. Dann aber, nach dieser Läuterung, wenn sie all das Europäische sagten, das in ihrer Seele lebt, wenn sie ihre großen Horizonte in unsere aussichtsarme hebräische Literatur brächten, wie unendlich viel könnten sie uns bringen! Einer unserer Dichter, dem ich über die Kluft zwischen hebräischer Literatur und deutsch-jüdischer Jugend klagte, schreibt mir zum Tröste: „Sie sehen zu schwarz. Mit dem Eintritt der so an den dernier cri in Literatur und Philosophie gewohnten Jugend wird eben auch diese schärfere und schärfste Moderne ihren Ausdruck und breitem, immer breitern Einfluß im Neuhebräischen gewinnen. Man wird eben Glieder überspringen, wie das ja in fast allen Literaturen wieder erwachender kleiner Völker geschieht (Balkan). Wir werden nach Hermann und Dorothea gleich Walt Whitman und Dostojewski, Werfel und Shaw, Bergson und Wyneken übersetzen. Die Kenntnis der deutschen, russischen usw. Literatur in der Ursprache bei der Übergangsgeneration ermöglicht solchen Sprung ohne weiteres." Gut, aber dann muß doch dieser Sprung einmal getan werden. Dann muß doch einmal diese öde Predigt: „Lernet hebräisch!" lächerlich werden in ihrer Primitivität und gefordert werden: Sprechet und schreibet hebräisch! (Beispiel von einem Einzelnen: Jabotinski verstand vor wenigen Jahren noch kein Hebräisch. Heute ist er hebräischer Schriftsteller und veröffentlicht Gedichte, gute hebräische Gedichte!) Zum Volke kann man nur in seiner Sprache sprechen, und man spricht eben zu dem Volke, in dessen Sprache man spricht und schreibt. Aber unsere jungen, bewundernswürdig begabten deutschen Zionisten ziehen es vor, deutsch zu schreiben, — Studien über das Judentum, Vorschläge für die Erziehung in Erez Israel, Dichtungen. Was nicht alles? Sie strafen sich selbst in ihrer Ahnungslosigkeit. Das deutsche Wort versperrt ihren Gedanken den Weg nach Erez Israel, den Weg zur Wirklichkeit. Die zionistische Literatur in deutscher Sprache ist heute nur Literatur. Hugo Bergmann Der gesamten Auflage dieses Heftes liegt ein Prospekt von A. Marcus & E. Weber's Verlag bei, den wir der Aufmerksamkeit unserer Leser empfehlen. Für die Redaktion verantwortlich: Siegfried Lehmann, Frankfurt a. M., Grüneburgweg 101. — Für Österreich-Ungarn*. Dr. M. Präger, Wien I, Rotenturrastraße22. — Verlag von R. Lowit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig'

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