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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Randbemerkungen
Date
1919-01-01
Page
242 (sequence 2)
Language
German
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242 M. Sagorin: Randbemerkungen Als der falsche Prophet des Rechts und der Gerechtigkeit die 14 Gebote der Menschheitserlösung aufstellte, wer war noch so wie Israel berufen, das Unechte darin herauszuhören? Wer war noch so wie Israel verpflichtet, das Falsche bloßzustellen? Statt dessen glaubten Juden an ihn, und dieser Glaube wurde erst dann erschüttert, als auch die anderen Völker ihren Glauben verloren, als der Betrug offenkundig wurde, als die Entlarvung nicht mehr nötig war. Groß fürwahr ist unser Niedergang. III. „Zion wird durch Recht erlöst werden." Wie sehr ist dieses Wort mißbraucht worden zur Apologie für das Galuth gegen die Erlösung. Selbst den Assimilanten, die der fremden Kultur verhaftet waren, war es peinlich, den Sklavenausdruck zu gebrauchen: „Ich liebe meinen Herrn, ich möchte nicht frei werden"; daher benutzten sie als Feigenblatt den obigen Ausspruch eines Freien, der in der Welt das Recht herrschen lassen will. „Zion wird durch Recht erlöst werden" — das wurde die Waffe der Widersacher Zions, der Liebhaber des Galuth. Mit diesem Vers gedachten sie die Erlösung bis auf den jüngsten Tag zu verschieben. Als dann der politische Zionismus auftauchte, der die diplomatische Methode sich zu eigen machte, da wurde sogar Achad-Haam verlockt, der Politik im Sinne jenes Bibelverses entgegenzuwerfen: Die Erlösung Israels wird durch Propheten, nicht durch Diplomaten kommen. Inzwischen entstand eine neue Parole, die einen Ausgleich zwischen Recht und Zion, zwischen Sozialismus und Zion schaffen wollte. Diese Parole besagte, die Erlösung Zions gehe der Erlösung des Rechts voran, die Erlösung Israels werde die Erlösung der Menschheit herbeiführen. Die Synthese sei da, Friede sei mit Israel samt den Völkern samt allen schönen Bibelversen. Da kam der Krieg und mit ihm eine neue Diplomatie des Zionismus, eine Notstandsdiplomatie, die unser Schicksal vom Erfolg dieses oder jenes Schwertes abhängig machte. Es begab sich, daß die zionistische Diplomatie sich bei der einen Partei durchsetzte — und siehe, keiner unterzieht sie einer Kritik. Beinahe scheint es, daß auch Achad-Haam seinen Vers vergaß, den er einst Herzl entgegenschleuderte. Dieses Vergessen ist eigentlich ein gutes Anzeichen für den Zionismus. Zeigt es doch, daß er bereits aus der Phase der Bibelverse getreten ist und in der Wirklichkeit verankert wurde. Sind wir nicht aber schon zu weit gegangen? Ist es nicht an der Zeit, auszurufen: Zion wird nicht durch Unrecht erlöst werden. Zion wird nicht durch den Sieg dieses oder jenes Imperialismus erlöst werden. Wir ersehnen vielmehr die Niederlage des Imperialismus jeder Aufmachung. Wir erhoffen den siegreichen Ausgang des Kampfes der Besten aller Völker gegen ihn. Wohlgemerkt: soweit es Nutzdiplomatie ist, ein vorübergehendes notgedrungenes Paktieren mit der Augenblicksgewalt, nehmen wir es hin, wie wir die Diplomatie Herzls hingenommen haben. Wenn man aber diese Diplomatie zur Zukunftspolitik erhebt, so bedeutet das den reinen Glauben an den Weltimperialismus. Dem entgegen beteuern wir: Nein, Zion wird nicht durch Unrecht erlöst werden. M. Sagorin

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