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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5 · p. 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 5
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
233 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Josef Kastein: Mesusoth 233 dacht hat und in sein hartes Geschick als von Gott bestimmt in frommer Ergebenheit sich fügt. Der Mann sucht zumeist, nachdem er, schon mit Rücksicht auf seine vorgerückten Jahre, die Aussichtslosigkeit seines Hoffens auf Kindersegen einsieht, in gesteigerter Frömmigkeit und Wohltun Trost und Hoffnung auf himmlische Gnade im Jenseits. Die Frau dagegen will noch immer, im Hinblick auf Mutter Sarah, die erst im neunzigsten Lebensjahre mit einem Sohne bedacht worden ist, die Hoffnung nicht verlieren, ein Wunder von Gott erwartend. Manchmal sieht man eine solche schon im vorgerückten Alter stehende kinderlose Frau in der Frauenabteilung der Synagoge, über ihre Tchinah schluchzend gebeugt, von Gott die der Mutter Sarah einst bezeugte Gnade erflehen, wobei angesichts des der Natur zuwiderlaufenden Verlangens die Nachbarfrauen ein stilles Lächeln nur mit Mühe unterdrücken. Baden bei Wien Samuel Rappaport MESUSOTH •*)>pe?brt hyn mwn mrty wu> mn-p inpbi Sie nahmen von dem Blut und gaben es an die beiden Pfosten und an die Oberschwelle. An unseren Häusern und an den Pfosten unserer Räume sind Mesusoth. Wir . erkennen daran das Haus eines Juden. Sie sind die Sichtbarmachung unserer Häuser. Von dieser Sichtbarmachung möchte ich sprechen, als ein Wort aus dem jüdischen Alltag des Galuth und als eine Frage nach dem Schönheitswert unserer Formen. Formen binden. Auch tote Formen. Sie binden doppelt, wenn wir sie auch lieben, das heißt: wenn sie für uns noch Leben haben. Nur Achtung vor der Form ist unschöpferisch, ist Friedhofssentimentalität. Ein Symbol lebt, sobald oder solange das Bewußtsein von dem Geschehen lebt, von dem es abzuleiten ist. Die erste Sichtbarmachung unserer Häuser ist getragen von einer großen dramatischen Gebärde. Aus dem Dunkel der ägyptischen Verknechtung ringen sich Anfänge der Volksbefreiung. Gotteswunder geschehen, die sich mehren und steigern. Denn diese Offenbarung der Macht soll groß sein. Es soll ein Haufe von Knechten zu einem Volke erbaut werden. Mitten aus der Vernichtung des Widerstrebenden soll das große Schreiten der Strafe über ihre Häuser hinweggehen. Die Häuser sollen gezeichnet sein. Blut des Opfers über die Pfosten und Schwellen gestrichen. Eine neue Symbolik: Nicht die Pfosten und Schwellen, die tote Umgrenzung des Raumes, schützen vor dem großen Sterben der Erstgeburt, sondern der Geist des selbstgenossenen Opfers, by rwb tob DTi mm •tmso pN:i ^ronn tvnwüb *]0J dss mm n^i mby wtddi mn tn wn dip omn im Dran Wo aber das Blut der befreienden Opfer schon die Türpfosten umgibt, da weiß ich, daß dort Menschen aufbruchbereit stehen zur Wanderung in meine Provinzen. Und es wird nicht mehr Raum sein für das Blut der Strafe. So wurde ein Zeichen an der Schwelle unseres Hauses. Je größer der Abstand der Zeit vom Erleben wurde, desto sachlicher wurde die Form des Symbols. Eine neue Zeit, die sich nur noch erinnerte und nicht einmal im Erinnern stark genug war, erhob von neuem die Forderung, die Pfosten unseres Hauses kenntlich zu machen. Es war die Forderung an den Volksgenossen, sich ein

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