Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Stellung der westjüdischen Jugend zum Volke
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 215 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Elijahu Rappeport: Die Familie als Element der Gemeinschaft 215 Heute, wo wir die Fundamente für ein neues Gemeinwesen in Palästina legen, setzen wir unsere ganze Hoffnung darauf, daß das durch die europäische Assimilation bedrohte Volk an die Stelle der geistigen Macht, die bisher das Verbindende unter den Gliedern der Gemeinschaft war, nicht europäische Organisation und Gewalt setzen werden; denn' als Nationalisten, die in der Ewigkeit des Volkes ihre eigene Ewigkeit begründet sehen, werden wir kein Vergängliches zwischen uns setzen wollen, das schon den Tod der Gemeinschaft in sich birgt, sondern den lebendigen, stets sich erneuernden Geist, wie er seit Jahrtausenden das Leben in der jüdischen Gemeinschaft durchströmt. Noch heute erfüllt dieser ewige Geist das Gemeinschaftsleben im Osten; jede Sitte und Form, jeder Gruß und jede Feier sind nur Äußerungen dieses gemeinsamen Geistes. Seine Flammen brennen nicht mehr so gewaltig wie in früheren Zeiten und schlagen nicht mehr so hoch gen Himmel* aber sie brennen noch in der Masse unseres Volkes und schließen sie ohne Gewalt zur Einheit zusammen. Wir Westjuden sollten ins Volk gehen und unsere erkalteten Herzen wieder entzünden lassen.' Und wenn wir auch selbst nicht mehr entbrennen können wie unsere Väter, so wird wenigstens ein Funken auf uns überspringen, der Ehrfurcht weckt vor der geistigen Macht, die die ostjüdische Gemeinschaft noch heute in ihrer Freiheit himmelhoch über die militärischen Zwangsgemeinschaften der anderen Staaten erhebt. Wir werden demütiger werden vor dem Volke und vor den Kräften, die in ihm ruhen. Und diese Ehrfurcht wird "uns Westjuden davor bewahren, durch unsere schnellen, organisatorisch betriebsamen Hände das Feuer, das einen großen Teil der Judenheit zu einer wahren Gemeinschaft noch heute zusammenschweißt, beim Neuaufbau unseres Gemeinwesens auszulöschen. Wer einmal klar die Zusammenhänge durchschaut hat, die zwischen Tod und Leben einer Gemeinschaft und der Frage besteht, welche Art der Macht — ob eine geistige, ewige, oder eine mechanische, vergängliche — die Gemeinschaft zusammenhält, wird den fürchterlichen Ernst unserer westjüdischen Situation empfinden und alle, alle Rettung nur noch im Volke erblicken. Frankfurt a. M. Siegfried Lehmann DIE FAMILIE ALS ELEMENT DER GEMEINSCHAFT I, Gemeinschaft und Familie. Zwischen Familie und Gemeinschaft besteht eine wechselseitige Beziehung. Nicht nur die Familie baut in ihrer Erweiterung auf natürlichem Wege die Gemeinschaft und gestaltet sie nach ihren Interessen, sondern es ist auch umgekehrt die Bildung und der Ausbau der Familie Angelegenheit der Gemeinschaft. Die einzelnen Familien sind die natürlichen Elemente der Gemeinschaft und nicht die für sich allein genommenen Einzelindividuen; aber von der Gemeinschaft und ihren Ansichten und Satzungen und Gesetzen ist es abhängig, wie