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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 4 · p. 151

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 4
Article
Westjüdische Dynamik
Date
1919-01-01
Page
151 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Abraham Schlesinger: Zur Bestimmung des Nationaljudentums 151 ein ähnliches Verhalten. Das Gleiche gilt von deutschen Elsässern. "Wie es Pflanzen gibt, die erst durch, besondere, mit ihnen in Symbiose lebende Wesen ihre Nahrung aufzunehmen imstande sind, scheint auch das individualistische Germanentum solche Träger neuer Geistesfermente zu brauchen. Bevor sich im Weltkrieg die seelische Isolierung der Deutschen offenbarte, glaubten wir Juden das triste Privileg zu haben, von niemandem in der weiten Welt verstanden und gewürdigt zu werden, und eben die deutschen Typen, die jetzt Deutschland in Verruf und schwerste Not gebracht haben, warfen uns das gerne vor; wir wollen das vergessen. Aber jedenfalls ergab sich jetzt die überraschende Tatsache, daß fast nur Juden von Deutschland aus geistige Notbrücken zur übrigen Erde zu schlagen verstanden. Daß wir dafür wenig Dank haben, wo wir Dank verdient hätten, hingegen wütenden Haß, wo destruktive Elemente übertragen werden, kommt hier nicht in Betracht; es ist hier nur von Kräften die Rede, die ganz instinktiv wirken und die zu hemmen niemand von uns die Macht hat, selbst wenn er es wollte. Ich habe oben diese Kräfte möglichst materiell,. möglichst oberflächlich erklärt — und doch stehe ich, wie wir alle, wie vor allem unsere glühende Jugend, im Hauch der Ahnung, ja der erschütternden Erkenntnis, daß noch vor der Rückkehr ins Land und ganz anders, als wir es uns gedacht, den Riesenkräften, den tiefsten eigentümlichsten Kräften unseres Volkes eine weltgeschichtliche Aufgabe zugefallen ist. Es braucht nur ein Zustand in Europa einzutreten, in dem alle Sonderverhältnisse und historischen Bande der Völker zertrümmert werden, also eine vollkommene Uniformität der Zustände, eine Zeit, in der es nur noch um letzte Menschenfragen des Lebens und Sterbens geht, in materiellen wie in seelischen Dingen —und alle unsere Hemmungen fallen; unsere Kraft wird frei. Aber auch wer an solche Möglichkeiten nicht glaubt und nur weiterhin an die Liquidierung des europäischen Golus denkt, kann sich die ganze Größe der jüdischen Kräfte, die aus der Verflechtung mit nicht jüdischem Leben zu lösen sind, nicht klar genug vor Augen halten, Wien Paul Amann ZUR MATERIALEN UND FORMALEN BESTIMMUNG DES NATIONALJUDENTUMS Seit Jahren bildet das Wesen des Natiqnaljudentums, vorzüglich in der hebräischen Literatur, ein lebhaft umstrittenes Problem. Was macht das spezifisch Nationale am Judentum, die jüdische Nationalität? Konstituiert sich der Begriff des Nationaljudentums lediglich aus gewissen „formalen" Merkmalen (etwa Land und Sprache) oder sind zu seiner Bestimmung außerdem noch gewisse „inhaltliche" Merkmale (etwa die besondere historische Kultur) notwendig? Je nach der Antwort kann man einen formalen und einen materialen Nationalismus Unterscheiden. Um zu der Frage eine begründete Stellungnahme zu gewinnen, soll fürs erste die ältere materiale, hernach die jüngere formale Richtung betrachtet werden. I. Eine materiale Bestimmung des Nationaljudentums liegt vor allem dem ^geistigen Nationalismus" Dubnows zugrunde und dem „geistigen Zionismus"

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