Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Sache des Landarbeiters
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 119 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Oskar Epstein: Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina I?9 menden die hebräische Sprache zu lehren. Eine Reihe kultureller Institutionen muß geschaffen werden: eine Sprachschule für Neuankommende, eine hebräische Volksliteratur, eine gute erzieherische Bühne, ein Museum, eine Volkshochschule. In der neu zu bauenden jüdischen Gesellschaft ist kein Platz für zwei Kulturen, einer Kultur der Bevorzugten und eine Kultur der Geistesarmen. Das ganze kulturelle Schaffen soll innerhalb des Volkslebens stehen, von ihm gespeist werden und ihm frische Säfte zuführen. Die Werte der Gesittung, der Wissenschaft, der Kunst Und des Gedankens sollen Volksgut sein. Und das ist keine Utopie. Berl Katznelsohn DIE GRUNDLAGEN DER JÜDISCHEN SCHULE IN PALÄSTINA 1. Es bedarf wohl keines besonderen Beweises, daß der Zionismus in seinen besten Vertretern in Palästina eine Gemeinschaft erhofft, die die tiefsten Mängel unseres heutigen Lebens vermeiden und ausschalten soll. Leider glauben viele von ihnen, daß diese Andersartigkeit des Gemeinwesens aufschiebbar sei. Zuerst müßten, meinen sie, mit den üblichen Mitteln die äußeren Grundlagen für die Gemeinschaft geschaffen sein, dann erst könnte man diese mit dem neuen Geist erfüllen. Seit Werner Sombart ist es ein Gemeinplatz geworden, die Juden als Hauptträger der kapitalistischen Entwicklung hinzustellen. Wenn nun auch inzwischen die wissenschaftlichen Irrtümer Sombarts zum großen Teile aufgedeckt sind, so kann man doch nicht umhin, irgendeine engere Verbindung des Juden mit dem Kapitalismus anzuerkennen. Da erscheint es wirklich kühn, mitten in den größten äußeren Schwierigkeiten der beginnenden Gemeinschaftsgründung die Forderung nach einer Wirtschaftsform zu erheben, die der kapitalistischen entgegengesetzt ist. Dazu kommt nun, daß die Aufhebung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung durch Juden und durch Bewegungen, die stark von Juden beeinflußt sind, sich nicht als lebensfähig erweist oder noch erweisen wird. Ohne den politischen Propheten spielen zu wollen, muß man wohl der Ansicht sein, daß die Bekämpfung der kapitalistischen Wirtschaftsform durch die russischen Bolschewiki nichts Dauerndes schaffen wird, ohne sich im Innersten zu wandeln. Und ihre Grundsätze scheinen doch so einfach wie gründlich! Die Forderung nach einer fast mathematischen Gleichheit der Wirkungsbedingungen des Einzelnen scheint eben doch nicht den Kern der Sache zu treffen. Ebenso dürfte Reformgedanken, wie zum Beispiel denen von Walther Rathenau, wie er sie insbesondere in seinem Buche „Von kommenden Dingen" entwickelt hat, keine nachhaltige Wirkung gegönnt sein. Solche Forderungen sind unendlich zahmer und vorsichtiger, aber sie gleichen denen der Bolschewiki in einem bemerkens-, werten Punkte: sie wollen Gerechtigkeit dekretieren. Ob dies nun dem Staate zuliebe geschieht wie bei Leuten gleich Rathenau, oder der Gleichberechtigung der einzelnen Menschen zuliebe wie bei den Bolschewiki, ist unwesentlich. Man könnte zeigen, daß hier ein charakteristisch jüdischer Weg vorliegt. Freilich aber, wie wir schon sagten, ein Irrweg. Auf einem Irrweg befindet sich auch die jüdische Masse im Osten, freilich auf einem Irrweg, der im Gegensatz zu den früheren über die Selbstbesinnung auf die nchtige Bahn führen muß. Er zielt darauf ab, dem Geist und der M^aterie die ihnen