Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Dogma von der ewigen Galuth
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 109 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Berl Katznelsohn: Die Sache des Landarbeiters 109 Die Einsicht von der Möglichkeit der Verwirklichung muß für alle Anstrengung genügen. — Ich stelle mir immer als Ideal vor einen Zionismus ohne Zuversicht. Der kann durch Enttäuschung nicht erschüttert werden. Des Zionismus Zukunft kann doch nur von zwei Faktoren bestimmt sein: von unserem, der Zionisten, Willen als der positiven Kraft, und der Gesamtheit der diversen Widerstände (nach Abzug all des uns Fördernden in den Interessen der Welt) als der negativen. Ist nun unser Wille eine Kraft, so muß bei seinem Wirken gegen eine zweite Kraft — hier den Widerstand — das allgemeine Gesetz von der Zusammensetzung der Kräfte gelten: Die Resultante nur wird von beiden Kräften beeinflußt, nicht aber eine Kraft von der anderen. Unser Wille gehe stahlhart seinen Weg, die Korrektur der Wirklichkeit wird am Resultat schon von selber alles mindern, was eben von Seiten der Widerkräfte gegen unseren Willen gemindert wird werden können. * Geht der Zionismus als Ideologie und Zielsetzung nicht von der Annahme und Forderung aus, daß er die Judenfrage von Grund aus und restlos lösen will, ganz gleich, wann damit zu beginnen und innerhalb welcher Zeiträume es durchzuführen ihm die Welt gestatten wird, so darf er sich nicht auf die zweitausendjährige Hoffnung und Sehnsucht des jüdischen Volkes berufen;- so verdient er wohl die Unterstützung unser aller, nicht aber die heiße Inbrunst und das bedingungslose Opfer unserer Besten. Ist die Galuth ewig, so ist der Zionismus nicht heilig. Wien Abraham Schwadron DIE SACHE DES LANDARBEITERS*) Unsere vornehmste Pflicht ist jetzt, uns selber über die von uns einzuschlagenden Wege klar zu werden. Der gegenwärtige Moment, der im zionistisch politischen Sinne vielleicht für das Volksleben entscheidend ist, wird auch für das innere nationale Schaffen bedeutungsvoll sein. In der weiten Perspektive, die sich jetzt für die Zukunft der jüdischen Gesellschaft eröffnet, erkennen wir verschiedene Wegkreuzungen, und jeder Einzelne muß diesen oder jenen Weg einschlagen, denn auch Enthaltung von der Wahl bedeutet, bewußt oder unbewußt, eine Wahl. Es fragt sich nun, ob für viele selbst innerhalb des Zionismus dasselbe moralische Recht und dieselben seelischen Voraussetzungen bestehen, den Weg zu bestimmen und vorzuzeichnen, wie für jene Menschenschar, die bereits ihren Lebensweg gewählt hat, deren Zukunftsfragen aus ihrem Leben hervorquellen, aus ihrer Arbeit und ihrem Zukunftsschaffen. Das ist das große Recht und die große Pflicht des Arbeiters. Der Arbeiter ist mit der Erlösungsfrage verwachsen, sein Ideal ward ihm zum Lebenswerk, seine Arbeit, seine Vergangenheit und selbst seine Mißerfolge sind die Sprossen, die er emporklimmt und von denen er seine wie des Volkes Zukunft überschaut. Die Arbeit ward zur Quelle von Bedürfnissen, Gedanken und Wertungen. Aus der Aktivität der tagtäglichen Arbeit erwächst die Aktivität der *) Aus der Eröffnungsrede der ersten Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter Judäas nach der Besetzung.